Syphilis

Vier Wochen nach Infektion Schleimhautgeschwüre an Geschlechtsorganen und Lymphknotenschwellungen.

Acht Wochen nach Infektion Fieber und Kopfschmerzen. Unter Umständen auch Haarausfall.

Drei bis fünf Jahre nach Infektion syphilitische Knoten am ganzen Körper und Organbefall.

Ohne Behandlung Siechtum und Tod.

Magdeburg l Im Nachlass vieler Familien befinden sich unter den Postkarten von der Front auch charmant kitschig-erotische Abbildungen von der trauten Soldatenliebe. Es sind die Pin-up-Girls des Ersten Weltkrieges, die von den Soldaten im Feld auf kolorierten Postkarten sehnsuchtsvoll betrachtet wurden. Sie verbinden zumeist die Wunschvorstellung einer wohl geformten Frau in heimatlicher Idylle.

Was für ein Gegensatz zum realen Leben muss das gewesen sein, so ein Bild zu betrachten im stinkenden, schlammigen Schützengraben? Der Krieg bot wenig Platz für Liebesgefühle, sondern höchstens Zeit für schnellen Sex.

Der Historiker Franz Seidler hat sich in einem Buch über die Sanitätsführung im Zweiten Weltkrieg auch mit den Themen Prostitution und Feldbordelle beschäftigt. Darin schreibt er, dass die Deutsche Wehrmacht 1939 hochgerechnet hatte, dass im Ersten Weltkrieg etwa zwei Millionen Ausfälle von deutschen Soldaten auf Infektionskrankheiten zurückgingen. Dies waren häufig Geschlechtskrankheiten wie Syphilis und Gonorrhöe (Tripper).

Beide Krankheiten waren zur Jahrhundertwende die Volksseuchen schlechthin. Jeder zehnte großstädtische Krankenhauspatient habe Ende des 19. Jahrhunderts im Deutschen Reich an einer Geschlechtskrankheit gelitten, beziffert der Medizinhistoriker Manfred Vasold. Erst 1909 entwickelte der Immunologe Paul Ehrlich das Medikament Salvarsan, mit welchem die Syphilis eingedämmt wurde.

Im Zweiten wie im Ersten Weltkrieg sollte die Truppe mit kontrolliertem geschütztem Sex in Feldbordellen vor Infektionen geschützt werden. Das gelang kaum. Frontnahe Puffs wurden zwar vom Militär selbst betrieben und stabsärztlich überwacht. An die Truppe wurden auch Kondome oder Desinfektionsmittel ausgegeben. Allerdings war der Schutz vor Geschlechtskrankheiten im Ersten Weltkrieg noch schwieriger als zwanzig Jahre später.

Bis zur Jahrhundertwende wurden Fischblasen als Kondome verwendet. Zur Kriegszeit bestanden Kondome aus dickwandigem Gummi, die ohne Gleitcreme mehr Schmerzen als Freude aufkommen ließen. Sie waren sehr teuer und wieder verwendbar. Durch Fabrikationsfehler und vielfachen Gebrauch bekamen die "Soldatengummis" leicht Löcher.

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