Ziel: "Neuordnung"

Nach dem Vorschlag von Wissenschaftsminister Hartmut Möllring (CDU) sollte die Fakultät für Humanwissenschaften der Universität Magdeburg "als selbstständige organisatorische Einheit geschlossen"werden.

Der Gegenvorschlag von Rektor Jens Strackeljan, den Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) am Dienstag mit Zustimmung von Möllring billigte, lautet wie folgt: "Die Otto-von-Guericke-Universität ordnet die Fächer der Fakultät für Humanwissenschaften entsprechend den Schwerpunkten der Uni neu und entscheidet im Zuge dieser Profilierung über eine geeignete Organisationsstruktur der verbleibenden, neu ausgerichteten und neu geschaffenen Professuren."

Magdeburg l Rund 500 Studenten der bedrohten Fächer in der Fakultät Humanwissenschaften haben sich am Donnerstagnachmittag in den Hörsaal am Krökentor gedrängt, viele fanden nur auf den Treppenstufen Platz. Der Fachschaftsrat hatte dazu aufgerufen, sich über die aktuellen Kürzungspläne zu informieren. "Bildet euch, bildet andere, bildet Widerstand" lautete das Motto, das auf gelben Zetteln überall an den Wänden klebte. Doch wie grundsätzlich darf Widerstand sein? Wie viel Kompromissbereitschaft ist nötig?

Wenn es nach Philipp Rantzow geht, steht die Wissenschaft an sich auf dem Spiel. Die Uni werde gedrängt, nur noch über solche Probleme nachzudenken, die auch Geld einbrächten. Sein kapitalismuskritischer Aufruf: "Wir müssen versuchen, das System möglichst gut über den Haufen zu werfen - dafür brauchen wir Geisteswissenschaften."

Rektor Strackeljan hingegen, der als einer der letzten sprach, warb für sein Vorhaben, mit einem Umbau in eigener Regie ein Eingreifen des Ministeriums zu verhindern. Unmittelbar vor der Versammlung hatte er alle Studenten in einer E-Mail über die Vereinbarung mit dem Ministerpräsidenten informiert (siehe Infokasten). Die Schließung der Fakultät sei vom Tisch, sagte er, das sei aber nur ein Zwischenerfolg. Sein Ziel ist, die Lehrstühle auf die Profile der Universität auszurichten, etwa auf die Wirtschaftswissenschaften. Natürlich habe er Verständnis dafür, dass ein Germanistik-Dozent für einen eigenständigen Studiengang Germanistik werbe, sagte der Rektor. "Aber ich frage: Muss der in Magdeburg sein?"

Kritik erntet die Dekanin - von Studenten und vom Rektor

Kritik, wenngleich vorsichtig formuliert, erntete Dekanin Barbara Dippelhofer-Stiem. Sie hatte im vergangenen Jahr an der Fakultät eine Strukturkommission einberufen, die eigene Vorschläge machen soll. Ergebnisse liegen allerdings bis heute nicht vor, wie der Student René Aderhold bedauerte. "Die Kommission diskutiert sehr viel und arbeitet zu wenig ergebnisorientiert", kritisierte er, "eigentlich hätten wir schon längst liefern sollen".

Und auch Rektor Strackeljan machte deutlich, dass er Dippelhofer-Stiems Ziel, ein im Fakultätsrat abgestimmtes Papier vorzulegen, für gescheitert hält: "So wird das nicht funktionieren." Bereits innerhalb der nächsten drei Monate müsse die Uni einen Rahmen skizzieren, wie die Fakultät als eigenständige Institution erhalten bleiben könne.

Warmen Beifall ernteten diejenigen Redner, die die Studenten zum Widerstand aufriefen. "Solidarischer Protest ist das, was die Dinge zum Umkippen bringt", sagte Wulf Gallert, Chef der Linken-Landtagsfraktion und einziger anwesender Politiker.

Der Fachschaftsrat plant bereits seine ersten Aktionen. Am 20. Mai soll es einen Aktionstag im Rahmen eines deutschlandweiten "Bildungsstreiks" geben. Dabei werde man zu zivilem Ungehorsam aufrufen, sagte Jan Renner vom Fachschaftsrat.

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