Das Fahreignungs-Seminar

Das Aufbauseminar für punkteauffällige Kraftfahrer (ASP) heißt ab Mai Fahreignungs-Seminar (FES).

Das Seminar wird weiterhein auf freiwilliger Basis von ausgebildeten Fahrlehrern angeboten.

Das FES besteht aus einer verkehrspädagogischen (Unterrichtsstunden mit einem Fahrlehrer) und einer verkehrspsychologischen (Sitzungen mit einem Psychotherapeuten) Komponente.

Der verkehrspädagogische Teil erstreckt sich über zwei Sitzungen zu je 90 Minuten.

Das Gespräch mit dem Verkehrspsychologen dauert zweimal 75 Minuten.

Maximal ein Punkt kann künftig nur beim Seminar noch abgebaut werden (beim ASP bis zu vier Punkte).

Fahrlehrer müssen sich fortbilden, um das neue Seminar anbieten zu können.

Magdeburg l Nur noch acht, statt bisher 18 Punkte reichen ab 1. Mai aus, um den Führerschein abzugeben. Das ist nur eine Änderung, die die Reform der Verkehrssünderdatei mit sich bringt. Auch das Aufbauseminar, mit dem Punkte im Fahreignungsregister in Flensburg abgebaut werden konnten, ist künftig umfangreicher und vor allem teurer.

"Bisher kostet ein Aufbau- seminar im Schnitt zwischen 300 und 450 Euro. Das neue Seminar wird sich schätzungsweise bei etwa 600 Euro bewegen", sagt Wolfgang Prescher, Vorsitzender des Fahrlehrerverbandes Sachsen-Anhalt. Deswegen ist die Nachfrage an Aufbauseminare im alten System in den vergangenen zwei Monaten vielerorts rapide gestiegen.

In Magdeburg hat sich die Zahl der Teilnehmer vervielfacht

"Vier Kurse haben wir in den vergangenen zwei Monaten angeboten. Das sind so viele, wie sonst im ganzen Jahr", erklärt Hans-Peter Kamieth, Geschäftsführer der Fahrschule "Sunny" in Magdeburg. Bei den Seminaren kann der Autofahrer wählen, ob er es in einer Gruppe oder in Einzelstunden absolvieren will. "An den Gruppenseminaren müssen mindestens sechs Personen teilnehmen. Zwölf ist die maximale Teilnehmerzahl", weiß Wolfgang Prescher.

In Salzwedel bleibt der Ansturm auf die Fahrschulen derweil aus. "Wir haben nicht mehr Teilnehmer als sonst. Dass liegt in meinen Augen daran, dass die Menschen bei Sachen die Geld kosten, aber freiwillig sind, meist zurückhaltend reagieren. Dabei ist es egal, wie viel es kostet", sagt Marco Kähler von der Fahrschule Kuba.

Im Harz ist die erhöhte Nachfrage hingegen ebenfalls zu spüren. "Wir verzeichnen viel mehr Anfragen als sonst. Gerade die Fahrer, die acht Punkte auf dem Konto haben, wollen jetzt noch mal bis zu vier Punkte abbauen", erklärt Oliver Dirrwald von der City-Fahrschule in Wernigerode.

In Schönebeck hält sich der Ansturm zwar in Grenzen, jedoch kommen die Kursteilnehmer momentan ebenfalls aus einem ganz besonderen Grund. "Die letzten drei Teilnehmer meldeten sich an, weil sie das Seminar noch zum alten Preis absolvieren wollten", sagt Roland Faust von der Fahrschule Teutloff.

Teilnahmebescheinigung bis Ende April bei Behörde abgeben

Mittlerweile wäre es für Kurz-entschlossene auch zu spät, denn das Seminar erstreckt sich über mindestens zwei Wochen. Um noch im alten Tarif zu landen, muss die Teilnahmebescheinigung bis spätestens 30. April bei der Fahrerlaubnisbehörde eingereicht werden. "In den vergangenen Wochen bewiesen viele Autofahrer flinke Füße und bauten noch schnell Punkte ab", erklärt Prescher. Sie könnten zu den Gewinnern gehören, denn künftig wird es deutlich schwieriger für Verkehrssünder, Punkte durch das Aufbauseminar abzubauen.

"Dafür fällt die sogenannte Tilgungshemmung weg", erklärt Prescher. Wenn ein Autofahrer beispielsweise zwei Punkte erhalten hat, wurden die bisher nach zwei Jahren nur gelöscht, wenn zwischendurch kein weiterer Bußgeldbescheid vorlag. "Wenn nun nach eineinhalb Jahren noch Punkte dazukommen, werden die bestehenden trotzdem gelöscht", weiß Prescher.

Er hoffe, dass die neuen Seminare genutzt werden, auch wenn es teurer wird. "Dafür werden die Sitzungen auch interessanter, denn die Dozenten haben dann die Möglichkeit, die Themen des Seminars individuell an das Vergehen des Teilnehmers anzupassen."