Magdeburg (dpa) l Er tauft Kinder im windigen Autoscooter und begleitet Schausteller bei ihren Sorgen: Conrad Herold arbeitet als Pfarrer auf Rummelplätzen und in Zirkuszelten. Und dabei hat er oft mit ganz alltäglichen Problemen zu tun.

Frage: Wie ist das eigentlich, ein Kind im Autoscooter zu taufen?
Conrad Herold: Eine Taufe würde ich immer für etwas Besonderes halten, aber der Ort ist für mich mittlerweile vollkommen normal. Ob es nun ein Autoscooter ist oder eine Kirche, für mich macht das keinen Unterschied. Es sind die Gläubigen, die einen Raum zur Kirche machen können.

Frage: Was ist der Unterschied zu anderen Gemeinden?
Herold: Wenn ich Taufen, Trauungen oder auch Beerdigungen habe, kommen immer sehr viele Leute. Eine Trauerfeier mit 400 Personen ist bei den Schaustellern normal oder auch eine Hochzeit mit 300 bis 400 Gästen.

Frage: Auf wie vielen Festplätzen sind Sie schon gewesen?
Herold: Im Jahr besuche ich so 100 bis 120 Festplätze, inklusive der Weihnachtsmärkte. Das schwankt manchmal, je nachdem, wie viele Amtshandlungen es sind.

Frage: Hat Religion für Schausteller eine große Bedeutung?
Herold: Ja, das sieht man ja an den Beteiligungen an den Taufen, Hochzeiten und auch Beerdigungen. Die Menschen kommen von weit her, um daran teilzunehmen und diese religiösen Aspekte bewusst wahrzunehmen. Ich habe jedes Jahr auch Geschäftseinweihungen, bei denen die Familie und das Geschäft noch einmal gesegnet werden. Das ist vielen sehr wichtig.

Frage: Was sind häufige Anliegen der Schausteller?
Herold: Das Leben der Schausteller unterscheidet sich da nicht von unserem Leben. Es gibt Krankheiten, finanzielle Schwierigkeiten, das Wetter ist ein ständiges Thema. Das Leben der Schausteller als solches kennt alle Höhen und Tiefen wie jedes andere Leben auch.