Steckbrief: Mifa

Mifa (Mitteldeutsche Fahrradwerke) wurde 1907 gegründet. Auch zu DDR-Zeiten wurden in Sangerhausen Fahrräder gebaut. Der Betrieb ist heute eine Aktiengesellschaft mit 770 Mitarbeitern. Die Firma erreichte 2012 einen Jahresumsatz von 111,3 Millionen Euro.

Am 20. März teilte Mifa mit, dass wegen eines Buchungsfehlers und schlechter Absatzentwicklung 2013 ein Jahresverlust von 15 Millionen Euro aufgelaufen sei. Der alleinige Vorstand, Peter Wicht, fehlt seit Wochen wegen einer schweren Krankheit.

Der Landkreis Mansfeld-Südharz hat Mifa angeboten, das Firmen-Grundstück für knapp sechs Mio. Euro zur Stützung aufzukaufen.

Sangerhausen l Erst am Donnerstag vergangener Woche erfuhren die Kreistagsabgeordneten von der Einberufung einer Sondersitzung des Kreistages zwei Tage später am Sonnabend. Einziges Thema: Eine möglichst schnelle finanzielle Unterstützung der Mifa AG.

Bei dem Fahrradhersteller an der Kyselhäuser Straße in Sangerhausen arbeiten 770 Beschäftigte. Damit ist Mifa einer der größten Arbeitgeber im Landkreis. Die Firma hatte überraschend im März einen Fehlbetrag von 15 Millionen Euro für 2013 bekanntgegeben. Dies sei auf Falschbuchungen des Warenwirtschaftssystems mit der Finanzsoftware zurückzuführen. Außerdem sei der Absatz hinter den eigenen Erwartungen zurückgeblieben, hieß es. Das war am 20. März in der bis heute letzten öffentlichen Mitteilung von Mifa. Ein massiver Einbruch der Mifa-Aktie an der Börse um zeitweise bis zu 60 Prozent war die Folge.

Keine Auskunft zu Details


Wie Landkreissprecher Uwe Gajowski gestern sagte, habe am Sonnabend vor dem Kreistag zunächst der Mifa-Finanzvorstand, Hans-Peter Barth, mit Mitarbeitern die Lage im Unternehmen erläutert. Gajowski: "Es gab viele Fragen und anschließend eine Abstimmung ohne den Vorstand in nicht öffentlicher Sitzung." Über Details der Befragung wollte der Sprecher nichts sagen. Mifa selbst beantwortet aktuell keine Anfragen. Nicht äußern will sich auch Sangerhausens Oberbürgermeister und Mifa-Aufsichtsratsmitglied, Ralf Poschmann (CDU).

Naheliegend wäre, dass den Fahrradhersteller erhebliche Liquiditätsprobleme zum Hilfeersuchen in den Kreistag getrieben haben. Es geht offenbar darum, Mifa schnell und unkompliziert Geld zukommen zu lassen. Gajowski: "Der Kreistag bietet an, das Firmengrundstück in Sangerhausen für fünf bis sechs Millionen Euro anzukaufen, weil dies am schnellsten gehen würde." Auch ein Aktienankauf oder eine Bürgschaft seien angeboten worden. Aber das würde unter Umständen Monate dauern, bis tatsächlich Geld fließt.

Nach Darstellung des Sprechers glauben die Kreistagsabgeordneten auch nur an einen vorübergehenden Ankauf des Mifa-Firmengrundstückes. "Es wird davon ausgegangen, dass Mifa sein Grundstück im Falle eines Verkaufes an den Kreis noch in diesem Jahr wieder zurückkauft." Im Übrigen hielten sich die Risiken des Ankaufs durch den Kreis in Grenzen. Das Gelände sei in den vergangenen Jahren zu einem modernen Industriekomplex ausgebaut worden und das Grundstück entsprechend von Wert.

Wie kritisch ist die Lage wirklich?


Ein Kreistag als schnelle Geldbeschaffungsinstanz für die private Wirtschaft? Das Landesverwaltungsamt hat damit kein Problem. Im Gegenteil: "Wir haben den Kreistag beratend unterstützt", sagt Sprecherin Gabriele Städter. Weil ein Grundstücksankauf durch den Kreis beim Landesverwaltungsamt nicht genehmigungspflichtig sei, stünde rein rechtlich einer solchen Verfahrensweise nichts im Wege.

Wie kritisch ist die Lage bei Mifa wirklich? Diese Frage könnte Vorstandschef und Großaktionär (24 Prozent) Peter Wicht beantworten. Doch der ist seit Wochen "schwer erkrankt", teilte Mifa am 20. März mit. Was er hat oder wo er ist, weiß niemand. Finanzvorstand Barth ersetzt ihn bis auf Weiteres.

Unklar ist auch, ob der indische Fahrradbauer Hero Cycles - wie in einer Absichtserklärung am 20. März mitgeteilt - tatsächlich mit 15 Millionen Euro bei Mifa einsteigen wird. Oder ob er inzwischen kein Interesse mehr hat. Ob Mifa tatsächlich sein Firmengrundstück an den Landkreis Mansfeld-Südharz verkauft, bleibt dagegen kein Geheimnis. Für börsennotierte Unternehmen besteht im Falle "des Verkaufes von wesentlichen Vermögenswerten" eine öffentliche Mitteilungspflicht. Bis gestern Abend wurde noch nichts mitgeteilt.