Stichwort: Buga

Eine erste Internationale Land- und Gartenbauausstellung in Deutschland fand in Erfurt 1865 statt. Die heutige Bundesgartenschau (Buga) wurde 1951 zum ersten Mal im Stadtpark Hannover organisiert. Sie finden seither alle zwei Jahre statt. Direkte Vorläufer waren "Reichsausstellungen des deutschen Gartenbaues" in den 1930er Jahren.

Bei Bundesgartenschauen werden große Freiraumgestaltungen umgesetzt, die regionale Entwicklungsziele verfolgen. Finanziert werden diese Flächengestaltungen überwiegend mit Bundesmitteln. Ausrichter der Schauen ist die Deutsche Bundesgartenschau GmbH, hinter der die maßgeblichen Bundesverbände für Garten- und Landschaftsbau stehen.

Magdeburg wurde nach der deutschen Wiedervereinigung 1990 nach Cottbus (1995) die zweite Stadt in den neuen Bundesländern, die eine Buga ausrichten durfte. Sie diente vor allem der Revitalisierung einer etwa 110 Hektar großen Brachfläche im östlichen Stadtgebiet an der Elbe, die angefangen von der Vorkriegszeit bis 1995 militärisch als Übungsgelände genutzt wurde. In der DDR waren auf dem sogenannten Cracauer Anger sowjetische bzw. russische Streitkräfte stationiert.

Die Buga in Magdeburg fand an 178 Tagen von April bis Oktober 1999 statt. 2,4 Millionen Besucher wurden gezählt, die mit 11000 Reisebussen und etwa 300000 Pkw anreisten. Zu den wichtigsten Attraktionen gehören der Jahrtausendturm mit einer technischen Ausstellung, ein Kletterfelsen und mehrere Sport- und Spielplätze.

Umgerechnet 80 Millionen Euro wurden in den Parkausbau und direkt damit zusammenhängende Infrastrukturmaßnahmen investiert. Hinzu kamen etwa 350 Millionen Euro private und staatliche Gelder - Hotel- und Straßenbau, ein Spaßbad, die Errichtung von zwei Elbbrücken, der Bau eines Messe-Zentrums, der Ausbau der benachbarten Hochschule und die Stilllegung der Deponie.

Heute besteht die Anlage immer noch als eingegrenzter Park, für den Eintritt erhoben wird. 233.000 Besucher zählte die städtische Betreibergesellschaft im Jahr 2013. Die Stadt Magdeburg bezuschusst den Parkbetrieb jährlich mit knapp zwei Millionen Euro.

Magdeburg l Der Wind fegt kühl über die grünen Wiesen am Staudencafé. Heute, wochentags bei bedecktem Himmel, ist kaum jemand im Elbauenpark unterwegs. Dem dreijährigen Mika ist das Wetter völlig egal. Das Bürschchen erklimmt gerade stilvoll am Kletterseil einen Holzturm. Mutter Christin steht auf dem Spielplatz neben ihm und passt auf - im Arm die kleine Ida, die gerade keinen Bock auf den Kinderwagen hat. "Ich gehe mit meinen Kindern mehrfach in der Woche in den Park", erzählt Christin.

Die Magdeburger Familie, zu der auch Ehemann Christoph gehört, hat eine Jahreskarte. "Am Wasserspielplatz sind wir oft und im Schmetterlingshaus oder ich fahre mit meinem Mann Inlineskate", erzählt die Mutter. Ihr gefalle, dass alles so gepflegt sei und kein Hundekot auf den Wiesen liegt. Nur, dass der Weg zur Jahrtausendturmspitze hinauf lange schon gesperrt ist, findet sie nicht gut.

Hinterlassenschaft der russischen Armee

Die Lampes aus Magdeburg sind so etwas wie eine Modellfamilie, für die der Elbauenpark gebaut wurde. Als die junge Frau elf Jahre jung war, spazierte sie 1999 oft mit der Oma während der Bundesgartenschau durch den Park. "Das war richtig toll." Nur wenige Jahre zuvor hatten Mitte der 1990er Jahre dort Schutt und Müll das Bild bestimmt. Größtenteils war das eine militärische Hinterlassenschaft der 1994 abgezogenen russischen Armee.

Der damalige Oberbürgermeister von Magdeburg, Willi Polte (SPD), hatte in Bonn schon 1990 erfolgreich die Buga-Strippen gezogen. Beim Blick auf den Bonner Rheinauenpark - auch ein Buga-Projekt - machte es sofort ,Klick`, erinnert sich Polte: "Wo jetzt die Russen sind, machen wir unseren Elbauenpark", habe er damals sofort gedacht.

Wenig später bekam Magdeburg für 1999 tatsächlich den Zuschlag. Es folgte das größte Stadtbauprogramm, welches die Stadt seit der Wende erlebt hat. Nicht nur die etwa 110 Hektar große Brachfläche wurde saniert. Zwei Elbbrücken wurden gebaut, die benachbarte Hochschule saniert, eine Deponie begrünt und diverse Zufahrtsstraßen in Magdeburg neu gebaut.

Immer weniger Besucher im Elbauenpark

Und dann ging die Buga los. 2,4 Millionen Besucher von April bis Oktober 1999. 11.000 Reisebusse karrten Gartenfreunde aus ganz Deutschland und sogar aus dem Ausland heran. Liveübertragungen von der Showbühne regelmäßig im Fernsehen. Monatelang tobte der sprichwörtliche Bär im Park. Solche mediale Aufmerksamkeit - in positiver Hinsicht - hatte Magdeburg bis dahin noch nie erlebt.

Und 15 Jahre später? Vom Buga-Trubel ist nur noch im Ausnahmefall etwas zu erahnen - etwa zur Oldtimermesse für Ostmobile ("OMMMA"), beim Ballonglühen oder beim Landeserntedankfest, wenn mehrere tausend Besucher kommen. Der Elbauenpark als Veranstaltungsort mit überregionaler Ausstrahlung hat an Attraktivität über die Jahre stetig abgenommen. 233.000 Besucher - so wenig wie noch nie - kamen 2013 in den Park. Ein Jahr zuvor waren es mit 292.000 Besuchern immerhin noch fast 60.000 mehr. Geschuldet war dies allerdings zwei großen Open-Air-Konzerten im Park: Herbert Grönemeyer und "Unheilig".

Der Park hat so seine Problemchen. Beispiel Jahrtausendturm - der sollte langfristig die wichtigste Attraktion sein, den Park zu besuchen. Das 60 Meter hohe Bauwerk ist eine Holz-Leimbinder-Konstruktion ohne Heizung. Er kann innen wie außen erwandert werden.

Nur acht Veranstaltungen Magdeburger Jahrtausendturm

Im Inneren erläutert eine seit 15 Jahren weitgehend unveränderte technische Ausstellung die wichtigsten Erfindungen der Menschheit auf sechs Ebenen. Außen geht man eine Rampe hinauf, um die Aussicht zu genießen. Steffen Schüller, Geschäftsführer der städtischen Parkbetreibergesellschaft MVGM: "Man war anfangs von jährlich 400.000 Besuchern im Turm ausgegangen. Es hat sich schließlich bei 70.000 bis 80.000 Turmbesuchern pro Jahr eingepegelt."

Die architektonisch eindrucksvoll gestaltete Haupthalle des Turmes würde sich auch dank einer angeschlossenen Gastronomie in der warmen Jahreszeit eigentlich auch sehr gut als Veranstaltungsort eignen. Schüller: "2013 wurde der Turm nur viermal für Veranstaltungen vermietet. In diesem Jahr werden es voraussichtlich acht sein."

Die Turmhülle selbst erwies sich als teilweise undicht, was nach 1999 einen knapp zehnjährigen Rechtsstreit mit den Baufirmen nach sich zog. Auf den Außenrampen ist der Turm nicht mehr bis zur Spitze begehbar, weil die Rampen beschädigt sind. "Das soll bald ohne Einschränkungen für den Besucherverkehr saniert werden. Allerdings nicht vor 2015", so Steffen Schüller.

Das Ambiente des Parks wird hoch geschätzt

Der MVGM-Chef hat den Geschäftsführer-Job erst zu Jahresbeginn übernommen. Grundsätzlich sieht er den Elbauenpark auch 15 Jahre nach der Buga auf dem richtigen Weg. "Die Sport- und Freizeitanlagen sind nach wie vor beliebt. Das saubere und gepflegte Ambiente dieser geschlossenen Parkeinrichtung wird von den Magdeburgern hoch geschätzt."

<6>Der Park erwirtschaftete 2013 einen Erlös von 479000 Euro durch Eintrittsgelder. Das reicht allein nicht aus, um den Park pflegen und betreiben zu können. Knapp zwei Millionen Euro Zuschuss steckt die Stadt Magdeburg jährlich in den Parkbetrieb.

Schüller will zukünftig Geld durch ein neues Gartenpflegekonzept einsparen. "Teilflächen wie etwa die Themengärten am Jahrtausendturm oder Randbereiche möchten wir zurückbauen oder dem Wildwuchs überlassen. Stattdessen sollten wir den Park wieder mehr als Veranstaltungsraum nutzen."

Panoramabahn im Elbauenpark zurückbauen

So gab es 2013 nur zehn Veranstaltungen auf der Seebühne, 2012 waren es noch 16. Verhandelt werde derzeit zum Beispiel über ein Rockmusikfestival im Park. Nach Schüllers Auffassung sollte auch die Panoramabahn im Park zurückgebaut werden.

Die über 20 Jahre alte Bahn wurde von Magdeburg 1999 aus Vorgänger-Gartenschauen übernommen. "Würden wir die weiter betreiben, wären hohe Sanierungskosten von etwa zwei Millionen Euro fällig. Stattdessen sollten wir über andere Transportmöglichkeiten wie Segway-Roller oder eine Bördebahn für Kinder nachdenken." Immerhin: 45.000 Fahrgäste zählte die Panoramabahn 2013. Eine Entscheidung über die Zukunft der Bahn erwartet Schüller in diesem Jahr.

"Einen ähnlich positiven Schub wie durch die Buga hat Magdeburg seit der Wende nicht wieder erlebt", sagt Rainer Nitsche (CDU), Wirtschaftsbeigeordneter von Magdeburg. Es sei ein großer Ruck durch Magdeburg gegangen. "Viele private Investitionen wären ohne Buga nicht passiert." Hat er einen Tipp für die Macher der Buga 2015 in Havelberg? Nitsche: "Die Zeit nach der Buga sollte in der Planung die gleiche Aufmerksamkeit erhalten wie die Buga selbst." Was soll Bestand haben und was danach aufgegeben werden? "Gut wäre, wenn darüber von Beginn an Klarheit herrscht", empfiehlt der Magdeburger Beigeordnete.

   

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