Magdeburg | Am Sonntag beginnt die Suche nach dem perfekten Oster-Versteck. Doch wo würden die Profis suchen, die sich von berufswegen mit Verstecken auskennen? Matthias Fricke sprach mit Jeannette Fricke und Thomas Amtage vom Kriminaldauerdienst der Magdeburger Polizei.

Volksstimme: Was macht ein gutes Versteck aus?
Oberkommissar Thomas Amtage: Wichtig ist, dass man es alleine kennt. Mitwisser sind immer schlecht. Natürlich ist auch eine gute Tarnung von Vorteil. Zum Beispiel passen zu einer grünen Wiese eben auch sehr gut grüne Ostereier.
Kriminalrätin Jeannette Fricke: Auch Orte, an denen man nichts vermuten würde, sind gut. Wer würde schon Schmuggelzigaretten in einem Schokoladenkuchen vermuten? Wir fanden sogar Zigaretten in einem Pushup-BH versteckt.

Volksstimme: Welche Orte verwenden Ganoven am häufigsten als Versteck?
Fricke: Das kommt darauf an, in welchem Bereich wir suchen. Bei den reisenden Tätern sind zum Beispiel im Auto das Reserverad und die Innenverkleidung ein bevorzugtes Versteck. Wir hatten einen Fall, da sahen Zeugen ständig Verdächtige mit Reisetaschen in einem Kleintransporter verschwinden, aber ohne Inhalt zurückkehren. Bei einer Durchsuchung staunten wir nicht schlecht, als die Transportfläche vollkommen leer war. Erst ein Blick hinter die Verkleidung erklärte dann alles. Über hundert gestohlene Autoradios waren dahinter versteckt.
Amtage: Beim Rauschgift ist es anders. Die Drogen werden meist irgendwo am Körper getragen, in Strümpfen oder Schuhen.

"Manchmal hängen sich die Gesuchten auch außen an einen Balkon, da sehen wir auch nach." - Jeannette Fricke, Kriminalrätin

Volksstimme: Jeder kennt das Phänomen, dass man das Gesuchte nicht findet, dafür aber etwas ganz anderes, das man schon lange vermisst. Passiert das Kriminalpolizisten auch?
Amtage: Durchaus. Bei der Durchsuchung einer Wohnung stießen wir beim Öffnen eines Unterschranks auf eine zusammengerollte Dame. Wir mussten daraufhin einen Rettungswagen alarmieren, weil sie keine Luft mehr bekam. Der Grund des Versteckens wurde schnell klar, gegen sie bestand ein Haftbefehl. Dabei hatten wir in der Wohnung eigentlich etwas ganz anderes gesucht.
Fricke: Manchmal hängen sich die Gesuchten auch außen an einen Balkon, da sehen wir natürlich auch nach.

Volksstimme: Welche Hilfsmittel stehen Ihnen zur Verfügung?
Amtage: Eine Menge. Je nachdem was wir suchen. Bei der Personenfahndung stehen Hubschrauber mit Wärmebildkameras, Suchhunde und Nachtsichtgeräte zur Verfügung. Gegenstände finden wir zum Beispiel mit Metallsuchgeräten oder verschiedenen Lichtquellen, die uns auf die Spur bringen. Unser bestes Hilfsmittel ist aber der Bürger. Nichts geht über einen guten Zeugenhinweis.

"Man muss sich zum Beispiel fragen, wo würde der Osterhase die Eier verstecken." - Thomas Amtage, Oberkommissar

Volksstimme: Was macht einen guten Fahnder aus?
Fricke: Man muss auf jeden Fall den richtigen Riecher haben. Dabei ist natürlich eine lange Berufserfahrung von Vorteil.
Amtage: Es gehört auch eine große Portion Menschenkenntnis dazu. Fantasie ist ebenfalls gefragt. Man muss sich zum Beispiel fragen, wo würde ich als Osterhase die Eier verstecken. Dabei sollte man verschiedene Versionen bilden können, um bei der Spurensuche weiterzukommen.

Volksstimme: Gibt es das perfekte Versteck?
Amtage: Ich fürchte, dass es das gibt. Wir haben viele Dinge ja noch nicht auffinden können. Persönlich würde ich mich für den Marianengraben im Pazifischen Ozean entscheiden, mit 11 .000 Metern bekanntlich der tiefste Punkt der Erde. Da sieht bestimmt keiner nach. Allerdings muss man dann auch eine entsprechend lange Leine haben, um alles wieder hochzuholen. Ob die Ostereier allerdings dem hohen Druck standhalten, ist fraglich. Das dürfte wohl die größte Schwierigkeit sein.
Fricke: Ich verrate es nicht.

Volksstimme: Werden Sie häufiger nach einem perfekten Versteck gefragt?
Amtage: Eher selten. Wer mich fragt, muss damit rechnen, dass es dann die Polizei auch weiß.

Volksstimme: Gibt es auch Tricks, wie man von einem Versteck ablenken kann?
Fricke: In der Kriminalgeschichte ist das immer mal wieder versucht worden. Manche Täter stellen sich zum Beispiel gerne als Zeuge zur Verfügung, um die Polizei auf eine falsche Spur zu locken.
Amtage: Wir hatten auch erst kürzlich einen Fall in einem Zug. Da gab der Verdächtige freiwillig drei Gramm Drogen heraus, gab alles zu, um von sich abzulenken. Bei der weiteren Durchsuchung kamen wesentlich größere Mengen zum Vorschein.

Volksstimme: Mussten Sie schon einmal gestohlene Ostereier suchen?
Amtage: Nein, zum Glück nicht. Aber das wäre ja mal eine Herausforderung.
Fricke: Zu Ostern wünschen wir uns aber, dass recht wenig vermisst wird und von uns gesucht werden muss.

 

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