Wernigerode l Ob Müll im Gebüsch, Schlaglöcher auf der Straße oder Hundehaufen vor der Haustür - man nehme ein internetfähiges Handy, fotografiere das Ärgernis und sende das Bild über eine App - also ein Programm fürs Smartphone - direkt an die Stadtverwaltung. Dort kümmert sich der zuständige Mitarbeiter schnell und unkompliziert um die Beseitigung des Problems. Was in Halle, Magdeburg, Schkopau und Genthin längst funktioniert, soll bald auch in Wernigerode möglich sein.

"Sachsen-Anhalt-Melder" heißt das Projekt der Landesregierung, das es Kommunen ermöglicht, ein spezielles Programm für Computer und Handys anzubieten. Für die beteiligten Städte fallen keine Kosten für Hard- und Software an. Lediglich die Arbeitsabläufe der Ämter werden in das Programm integriert.

Namenssuche für App

"Wir sind gerade dabei, die Anwendungen zu organisieren", informiert Rathaussprecher Andreas Meling. "Wer bekommt die Meldung? Wer leitet sie an die zuständige Fachabteilung weiter?" Noch in diesem Jahr soll die App freigeschaltet werden.

Wie das Programm heißen soll, steht noch nicht fest. "Mecker- oder Mängel-App geht zum Beispiel gar nicht", findet Petra Bothe, die in der Stadtverwaltung für Neue Medien zuständig ist. Ziel sei schließlich nicht, eine mediale Mecker-Ecke einzurichten. "Vielmehr können uns Bürger auf bestimmte Dinge hinweisen. Das kann auch etwas Gutes sein." In Magdeburg heißt das Programm "Otto meldet", in Halle und Schkopau "Sag\\\'s uns einfach". "Das passt schon viel besser", so Petra Bothe.

"Wir erhoffen uns von dem Programm, dass Wernigeröder und Touristen die Möglichkeit nutzen, auf direktem Weg mit uns in Kontakt zu treten", sagt die Rathausmitarbeiterin. "Und das rund um die Uhr." Andreas Meling ergänzt: "Die Wernige-röder sind sehr engagiert, wenn es um Missstände in ihrer Stadt geht. Wir können nicht überall sein. Wir hoffen auf Hinweise auf Probleme, die uns selbst nicht aufgefallen sind."

"Wir wollen Vorreiter in Sachsen-Anhalt sein"
- Rathaussprecher Andreas Meling

Die Arbeit in der Öffentlichkeitsabteilung von Verwaltungen befinde sich im Wandel, sagt Meling. Neue Medien und soziale Netzwerke rücken immer mehr in den Mittelpunkt. So gehöre die Präsenz bei Facebook und Twitter in Kommunen inzwischen zum Standard. "Dem wollen wir uns als Stadt nicht verschließen. Im Gegenteil, wir wollen Vorreiter in Sachsen-Anhalt sein." Aktuell zählt das Stadtportal Wernigerode bei Facebook 4659 Freunde. "Beim Ranking der Kommunen in Sachsen-Anhalt stehen wir damit auf dem zweiten Platz hinter Magdeburg."

Auf der Internetseite der Stadt seien 2013 fast 572 000 Besucher registriert worden. Zusatzangebote wie die Weihnachtsmarkt-App oder die Wernigerode-App erfreuten sich immer größerer Beliebtheit. "Solche Apps müssen einen Mehrwert für die Nutzer haben", sagt Petra Bothe, die im vergangenen Jahr eine berufsbegleitende Ausbildung zu Social-Media-Managerin abgeschlossen hat. "Deshalb steht bei der Wernigerode-App der Bürgerservice im Mittelpunkt. - Wie beantrage ich was? Wo finde ich Ansprechpartner und Anträge?"

App zugleich Veranstaltungskalender und Gastgeberverzeichnis

Darüber hinaus sei es für Jedermann zu jeder Zeit an jedem Ort der Welt möglich, sich zu informieren, worüber in den Ausschuss-Sitzungen in Wernigerode diskutiert wird. Außerdem biete die Handy-Anwendung einen Veranstaltungskalender, ein mobiles Gastgeberverzeichnis, einen Stadtplan und vieles mehr.

Übrigens - die nächste App steht schon in den Startlöchern. "Mit dem Land und dem Merseburger Mediendienstleister brainSCC entwickeln wir erstmals ein Handyprogramm für den Sachsen-Anhalt-Tag", so Meling. Die App soll am 12. Juni freigeschaltet werden.