Pömmelte l "Das hätte alles böse enden können", sagt Robert Meier. Er steht vor einer völlig verkohlten Wand. Sie gehört zum Anbau des Historischen Saals in Pömmelte. Der Sanitärtrakt befindet sich in dem kleinen Gebäude. Alles ist eigentlich hübsch hergerichtet.

Doch jetzt liegt schwarzer Ruß auf Wänden und Fensterscheiben. Es riecht verbrannt. Die Regenfallrohre sind unter des Hitze eines Feuers weggeschmolzen. In der Nacht zu Karsonnabend standen fünf Mülltonnen in Flammen, die an der Saalrückwand stehen. Die Pömmelter Feuerwehr geht davon aus, dass es sich um Brandstiftung handelt. Denn in dem Haus gibt es keinen Ofen mit heißen Überbleibseln, Selbstentzündung ausgeschlossen.

Feuer bleibt lange unbemerkt

Das Feuer blieb lange unbemerkt. Weder die Nachbarn, noch die Bewohner, die im Haus neben dem Saal leben, haben etwas mitbekommen. Robert Meyer wohnt mit seiner Freundin und seinem eineinhalbjährigen Sohn in einer Wohnung des Nachbarhauses. Als die Freundin morgens den Müll wegbringen wollte, fand sie nur noch geschmolzene Reste der Tonnen.

"Wir haben dann Hausbesitzer, Polizei und Feuerwehr informiert", sagt Robert Meyer. Er ist selbst Kamerad bei den Pömmelter Blauröcken und sicherte mit drei weiteren Kameraden die Brandstelle. "Wir mussten sicher gehen, dass sich nicht noch irgendwo Glutnester befinden und dass der Rauch aus dem Gebäude rauskommt."

Nicht auszumalen, was passiert wäre, wenn die Flammen auf die Gebäude übergegriffen hätten. Auf dem Anbau befindet sich ein einfach Pappdach. Der Historische Saal ist voller Holzsäulen und -schmuck. An Saal und Wohnhaus grenzen Lagerräume, in denen viel Holz, aber auch Farben und Lacke liegen, alles wird im Fachhandel nebenan verkauft.

Bewusst Menschenleben riskiert

Wehrleiter Mario Mutschall: "Wenn es hier in voller Ausdehnung gebrannt hätte, hätten wir sicherlich nur das Wohnhaus halten können." Sein Feuerwehrkollege Robert Meyer wird als direkt Betroffener und junger Familienvater emotionaler: "Wer macht so etwas und gefährdet ganz bewusst Menschenleben?"

Richtig mitgenommen ist am Sonnabendmorgen auch Carola Warschkau. Ihrem Sohn gehört das Grundstück mit Baufachhandel, Saal und Wohnhaus. Die 74-Jährige arbeitet in dem kleinen Geschäft.

Die Familie hat alles nach der Wende ab 1991 Schritt für Schritt aufgebaut, die Häuser wieder hergerichtet. Gebrannt hat es noch nie, aber der kleine Baufachmarkt wurde immer wieder das Ziel von Einbrechern und Zerstörern. Erst vor vier Wochen wieder, berichtet Carol Warschkau. "Mit einem Blumenkübel haben die Täter die Scheibe eingeschlagen, sie kamen nur bis in den Vorraum, wo auch zum Verkauf stehende Getränkekästen lagern. Alles war verwüstet."

Immer wieder Einbrüche

Diese Verwüstung gab es auch schon in den Vorjahren, 2013 wurde mehrmals eingebrochen. Einmal hatten es Langfinger dabei auf die Kasse abgesehen. Sie fanden nichts Bares, aber rissen Regale um und nahmen Ware mit.

Carola Warschkau ist traurig, dass Menschen so handeln können. Hat es vielleicht jemand auf die Familie abgesehen? "Nein", zeigt sich die Seniorin überzeugt. "Hier gibt es ein gutes Miteinander. So wie es in einem Ort sein muss." Immer wieder war der Saal Versammlungsort für Vereine, für die Feuerwehr, bei Dorffesten und beim Ringreiten. Wenn man schnell etwas für den Garten oder das Grundstück aus dem Markt brauchte, kann man bei Carola Warschkau klingeln. "Die Leute wissen das und nehmen das gern an", sagt die 74-Jährige.

Ohne Anzeige keine neue Mülltonne

Dass hier jemand bewusst Schaden zufügen wolle, glaubt sie nicht. Dennoch werde sie mürbe von dem Stress, sagt die Seniorin und erinnert an die Lauferei zu Versicherungen, an das Aufräumen, an neue Sicherheitsvorkehrungen. Erst jetzt flatterte ein Brief ins Haus. Die Staatsanwaltschaft teilt darin mit, dass sie das Ermittlungsverfahren nach dem letzten Einbruch eingestellt hat. Anzeige gegen Unbekannt - ein Täter kann nicht gefunden werden. "Eigentlich macht mir das alles Spaß. Aber man verliert die Lust. Passiert das nochmal, höre ich auf."

Nach dem Brand soll erstmal wieder ein Stück weit Normalität auf den Hof zurückkehren. Die Feuerwehrkameraden behalten das Haus im Blick, die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen. Andreas Lehmann, auch ein Bewohner des Hauses, wollte sich am Sonnabend gleich um neue Mülltonnen kümmern. Doch der Kreiswirtschaftsbetrieb ersetze die verbrannten nur gegen neue, wenn eine Anzeige vorliege, sagt der Pömmelter und ärgert sich über diesen Bürokratismus.

   

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