Zerbst l Eigentlich reicht es schon, sich im Stadtzentrum von Zerbst einmal komplett um sich selbst zu drehen. An jeder Ecke wurde saniert, restauriert oder gebaut. Hier der Ostflügel des Schlosses, dort die Alte Brücke, die sich zur Zerbster Einkaufsstraße entwickelt hat. Andreas Dittmann (SPD) ist stolz auf das Antlitz der Innenstadt. "Da steckt viel Arbeit drin. Und natürlich auch viel Geld", sagt er. 4,5 Millionen Euro wurden in den vergangenen Jahren allein in drei große Projekte investiert. Geld, das die Stadt allein nicht hätte aufbringen können. Mit 2,2 Millionen Euro kam etwa die Hälfte an benötigten Mitteln aus EU-Fonds.

Ohne Eigenmittelkeine EU-Förderung

"Wir haben beim Kreis Anhalt-Bitterfeld, beim Land Sachsen-Anhalt, aber auch bei der EU Gelder beantragt. Mit den Mitteln aus verschiedenen Förderprogrammen konnten wir vor allem den Stadtkern sanieren. Unsere Hauptprojekte waren dabei die Stadthalle, der Marktplatz und die historische Klappgasse", erklärt Dittmann.

Wo aber kommen eigentlich die EU-Gelder her? Aus Brüssel, so viel ist klar. Aber was wird damit gemacht und was haben kleine Städte und Gemeinden wie Zerbst davon?

"Mehr als man denkt", sagt Katrin Abele, Pressereferentin der EU-Kommission in Berlin. "Der größte Teil der EU-Mittel wird eingesetzt, um die Lebensbedingungen der EU-Bürger zu verbessern. Dabei geht es nicht um die Bedürfnisse einzelner Personen, sondern um die Region, besonders in den ländlichen und dünn besiedelten Gebieten."

Um die Gelder an die entsprechenden Regionen weitergeben zu können, verfügt die EU über mehrere Einnahmequellen. Jeder der 28 Mitgliedstaaten steuert 0,3 Prozent seines Bruttonationaleinkommens bei. In Zahlen ausgedrückt bedeuten das für Deutschland etwas 23 Milliarden Euro. Auch mit Einnahmen aus Einfuhrzöllen von Waren aus Nicht-EU-Ländern wird die Kasse gefüllt. Damit beläuft sich der jährliche EU-Haushalt auf knapp 150 Milliarden Euro.

So konnten im Förderzeitraum von 2007 bis 2013 rund 270 Regionen in Deutschland von knapp 26 Milliarden Euro aus den Fondsprogrammen profitieren. Förderschwerpunkte waren unter anderem Forschung, Umweltschutz und auch die Entwicklung regionaler Infrastrukturen, vor allem in strukturschwachen Regionen. Gemeint sind damit ländlich geprägte Gebiete, die mit den Folgen des demografischen Wandels zu kämpfen haben, wirtschaftlich schwach und durch das öffentliche Verkehrsnetz schlecht zu erreichen sind.

Auch Sachsen-Anhalt profitiert von dem EU-Geld. 23 Regionen des Landes konnten sich in dem Förderzeitraum, ähnlich wie Zerbst, lang ersehnten Projekten widmen, die sie ohne zusätzliche Förderung durch die EU nicht hätten umsetzen können. Knapp 3,4 Milliarden standen den Sachsen-Anhaltern zur Verfügung. Geld, das vor allem zur Unterstützung von Betrieben und soziale Projekte investiert wurde.

"Es geht bei der EU-Förderung vor allem darum, in den schwächeren Regionen den sozialen und wirtschaftlichen Zusammenhalt zu stärken", erklärt Katrin Abele. Denn wer sich für seine Region einsetze, der fühle sich mit ihr und den Menschen auch verbunden. "In Zeiten des demografischen Wandels ist es wichtig, die Menschen auch in kleineren Regionen zu halten, diese attraktiv zu gestalten und an einer lebenswerten Zukunft zu arbeiten", sagt Abele weiter.

Auch in den kommenden sieben Jahren erhält Sachsen-Anhalt weiter Fördermittel aus Brüssel. Zwar weniger als bisher, weil sich die wirtschaftliche Situation verbessert hat. Doch mit 1,4 Milliarden Euro ist Wirtschaftsminister Hartmut Möllring (CDU) zufrieden. Schwerpunktmäßig soll bis 2020 in die Bereiche Maschinenbau, Gesundheit, Mobilität, Chemie und Ernährung investiert werden.

Zerbst passt mit seinen etwa 22242 Einwohnern genau in das Profil einer EU-geförderten Stadt. Ländlich und mit Potenzial zur lebenswerten Kleinstadt soll auch in Zukunft weiter saniert werden. "Wie andere Regionen Sachsen-Anhalts versuchen wir vor allem die jüngeren Leute zu halten. Dazu gehört auch, die Region attraktiver zu gestalten, optische und kulturelle Reize zu bieten", betont Bürgermeister Andreas Dittmann.