Barby l Markus Bauer, Vize-Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Saaleradwanderweg, kennt die Sorgen der Barbyer. Der Bürgermeister von Nienburg weiß um den Wert einer Brücke, die nicht nur identitätstiftend sein kann, sondern auch für Handel und Tourismus wichtig ist.

Bauer kam auf Einladung des Tourismusvereins "Grafschaft Barby" an die Elbe, der sich für den Erhalt der stillgelegten Barbyer Eisenbahnbrücke stark macht (die Volksstimme berichtete). Das Bauwerk verbindet den Elbe- mit dem Saaleradwanderweg. "Im vergangenen Jahr wurde der Elberadweg zum 10. Mal in Folge zum beliebtesten deutschen Fernradweg gewählt", weiß Markus Bauer. Und nicht nur dass: Die Statistik vermerkt, das er vor dem Main- und Ostseeradweg auch der meist befahrene ist. "Hier Brücken abzubrechen", macht Bauer ein Wortspiel, "wäre fatal."

Der Nienburger Landratskandidat bat Ex-Innenminister Holger Hövelmann und Thomas Felke, Ausschussvorsitzender für Landesentwicklung und Verkehr (beide SPD), zur Unterstützung nach Barby. Hier mobilisiert der Tourismusverein nicht nur die öffentliche Meinung gegen einen eventuellen Abriss.

"Das Land sieht eine Reaktivierung aufgrund der netzstrategischen Bedeutung der Elbquerung grundsätzlich für prüfenswert an"

Felke hatte vor dem Hintergrund der Elbbrückenproblematik zuvor eine Kleine Anfrage zu Nutzungsperspektiven abbestellter Eisenbahnstrecken im Landtag gestellt: Die Antwort sollte man sich auf der Zunge zergehen lassen: "Das Land sieht eine Reaktivierung und Elektrifizierung des Abschnittes Barby-Güterglück aufgrund der netzstrategischen Bedeutung der Elbquerung grundsätzlich für prüfenswert an." Thomas Felke wollte den praktischen Wert dieser Aussage allerdings nicht weiter kommentieren.

Zur Erinnerung: Die Strecke wurde bis Dezember 2004 durch einen Wochenendzug Berlin-Harz befahren, aber schon ein Jahr zuvor vom Land abbestellt, weil die Nutzung der Personenzüge (Barby-Schönebeck) zu gering war. Vor Monaten verkaufte die Bahn einen Großteil dieser Trasse. Die Schienen zwischen Güsten und Calbe (West) sind bereits verschrottet worden.

Holger Hövelmann riet den Barbyern nicht für sich allein zu kämpfen: "Sie müssen die angrenzenden Kommunen und Landkreise ins Boot holen." Auch ein Schreiben an Deutsche Bahn-Konzernchef Rüdiger Grube sei empfehlenswert. Schließlich gehe es um die "weiche" wirtschaftliche Entwicklung.

Klaus Bittrich, Vorsitzender des Tourismusvereins, nutzte die Gelegenheit, seine Sicht auf die gesetzlich fundamentierte Kommunale Aufgabenstruktur zu äußern. Er sehe im Tourismus keine "freiwillige Aufgabe" der Kommunen. "Der ist für uns genauso wichtig, wie die Industrie." In diesem Kontext sei auch das Denkmal Elbbrücke zu sehen, das ein markantes Alleinstellungsmerkmal der Region sei. So etwas dürfe man nachfolgenden Generationen nicht leichtfertig nehmen. Auch die Pömmelter Kreisgrabenanlage dürfe nicht losgelöst von touristischen Wegen sein. "Wer dort vom Elberadweg hin will, muss über die Brücke", erinnerte Klaus Bittrich.

Holger Hövelmann sah es in ähnlichem Zusammenhang. "Ich möchte nicht politische Entscheidungen juristisch begründen", so der ehemalige Innenminister. Er halte es für notwendig, das auch politisch zu tun. "Hier geht es um einen nicht unwichtigen Baustein der zukünftigen Entwicklung dieser Region." Eine eventuelle Auseinandersetzung mit dem Eigentümer nur auf juristische Argumente (Denkmalschutzgesetz) zu beschränken, sei zwar richtig, aber nicht ausreichend.

Aktuell unterschrieben rund 3000 Personen die Petition zum Erhalt der Brücke. Die Listen sollen am 15. Mai dem Petitionsausschuss des Landtages übergeben werden.

 

Bilder