Burg l Mit Geschwindigkeiten von zum Teil 200 km/h preschen die Autos an dem Polizeifahrzeug auf dem Standstreifen vorbei. Polizeiobermeister Fred Bernauer vom Autobahnrevier Börde muss aus Sicherheitsgründen mit Warnweste auf das mit Blaulicht haltende Polizeifahrzeug aufmerksam machen. Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Fahrzeug dem Standstreifen zu nahe kommt.

Wegen eben jener Gefahren ist schnelle Hilfe gerade auf den Autobahnen wichtig. Aus diesem Grund stehen auch nach dem Vormarsch des Handys noch immer alle 1,5 bis zwei Kilometer je nach örtlicher Situation die Notrufsäulen am Fahrbahnrand.

60.000 Euro für Wartung von Notrufsäulen

Die orangefarbenen Kästen mit der kostenlosen Notruftaste werden von den Autobahnmeistereien gepflegt und in Schuss gehalten. Laut Stefan Hörold von der Landesstraßenbaubehörde hat das Land Sachsen-Anhalt allein im vergangenen Jahr rund 60.000 Euro für Wartung und Instandhaltung der 578 Notrufsäulen im Land ausgegeben.

Die Geräte stehen auf den Autobahnabschnitten der A2, A14, A38, A9, A143 und der B6n. Autofahrer, die hilfesuchend auf den Notrufknopf drücken, werden automatisch an die Zentrale des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungen (GDV) in Hamburg weitergeleitet.

Dort laufen alle Notrufe aus ganz Deutschland mit der entsprechenden Kilometerangabe und der Autobahnbezeichnung ein. "So können wir die erforderliche Hilfe organisieren, die benötigt wird", erklärt Andrea Arnemann aus Hamburg.

Alle 7,5 Minuten ein Hilfreruf

Nach Angaben des GDV-Dienstleisters sei die Zahl der Pannen- und Notrufe mit rund 72500 leicht rückläufig, dennoch mussten die Mitarbeiter alle 7,5 Minuten einen Hilferuf an die zuständigen Einsatzkräfte und Pannendienste weiterleiten.

Heiko Beermann, Geschäftsführer des Hamburger GDV-Dienstleisters: "78 Prozent aller 16.847 Autobahn-Notrufsäulen in Deutschland haben 2013 mindestens einmal Menschen in einer Notlage geholfen. Das zeigt die enorme Bedeutung der orangefarbenen Helfer auch in Zeiten des Smartphones."

8,8 Hilferufe pro Kilometer und Jahr auf der A2

Der Vorteil der Notrufsäulen ist auch für die Autobahnpolizei nicht von der Hand zu weisen. Johannes Stoye vom Autobahnpolizeirevier Börde: "Die meisten Notrufe erhalten wir heute natürlich über das Handy. Der Vorteil der Säulen ist aber, dass der Autofahrer im Gegensatz zum Handy nicht unbedingt wissen muss, wo er gerade ist." An der Notrufsäule steht der genaue Standort mit entsprechender Fahrtrichtung, der Ort kann so genau angegeben werden.

Beim Handy sei es anders, auch wegen der häufigen Verständigungsschwierigkeiten der oft ausländischen Fahrer auf der wichtigen Ost-West-Achse. Aber auch bei Einheimischen sei die Orientierung nicht immer ganz einfach.

Johannes Stoye: "Wir hatten einen Autofahrer, der meldete über Funktelefon, dass er in Höhe der Elbbrücke steht, weil er diese gerade passiert habe. Am Ende stand er irgendwo vor Ziesar." Das sind etwa 20 Kilometer weiter.

Meistgenutzte Notrufsäule steht in Baden-Württemberg

Bei den Notrufsäulen wäre dies nicht passiert. Sie funktionieren zudem auch sehr gut, wenn Handys an bestimmten Orten keinen Empfang mehr haben oder das Netz ausgefallen ist.

Die am meisten benutzte Notrufsäule Deutschlands steht in Baden-Württemberg an der A7 hinter dem Autobahnkreuz Ulm-Elchingen. Von dort gingen im vergangenen Jahr 125 Notrufe ab. In absoluten Zahlen stehen die A3 und A7 an erster Stelle. Platz drei nimmt die A2 ein.

In Sachsen-Anhalt führt dementsprechend auch die wichtige Ost-Westachse zwischen Marienborn (Börde) und Schopsdorf (Jerichower Land). Dort registrierte die Hamburger Zentrale 742 Notrufe auf den 85 Kilometern. Es folgen die A9, A14 und dann erst die A38 im Ranking.

Die meistgenutzte Notrufsäule des Landes mit 21 Notrufen im Jahr steht an der A2 Fahrtrichtung Hannover, am Kilometer 49 in Höhe des Rastplatzes Wüstenforst im Jerichower Land. Warum ausgerechnet diese Notrufsäule mit der Nummer 3781 am häufigsten für Hilferufe genutzt wird, kann sich die Autobahnpolizei Börde nicht erklären. Ein Unfallschwerpunkt sei es jedenfalls nicht.

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