Magdeburg l Der Fall hatte im September vergangenen Jahres an die NSU-Morde der Erfurter Terrorgruppe erinnert. Auch diesmal war ein türkischer Imbissbesitzer Ziel von rechtsradikalen Angriffen.

Das Magdeburger Landgericht sprach vier von neun Angeklagten aus Schönebeck wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung und einen auch wegen Beleidigung für schuldig. Der Hauptbeschuldigte, Maik R. (31), kommt acht Jahre und zwei Monate in Haft. Michel M. (24) bekam sieben Jahre, Marco L. (30) fünf Jahre. Fünf Jahre und sechs Monate muss Ronny B. (28) ins Gefängnis. Er wurde noch im Gerichtssaal abgeführt, weil er nicht in Untersuchungshaft gesessen hatte.

Den anderen Beteiligten konnte keine unmittelbare Tatbeteiligung nachgewiesen werden. Sie wurden freigesprochen. Darunter ist auch der einschlägig bekannte Rechtsradikale Francesco L. (28). Der Schönebecker hatte 2006 einen zwölfjährigen, dunkelhäutigen Jungen in Pömmelte schwer misshandelt und damit bundesweit für Schlagzeilen gesorgt.

Die neun Männer hatten am 21. September 2013 tagsüber in Schönebeck einen Junggesellenabschied gefeiert und waren am Abend mit dem Zug nach Bernburg gefahren. Alle waren stark alkoholisiert und trugen Flaschen mit Bier und Schnaps bei sich. Auf dem Bahnsteig beleidigten sie zunächst die deutsche Frau des Imbissbetreibers als "Türken-Schlampe" und beschimpften dann auch den 34-jährigen Abdurrahman E. mit ausländerfeindlichen Parolen.

Wie der Vorsitzende Richter Dirk Sternberg darlegte, gab es dann unterschiedliche Zeugenaussagen, ob E. daraufhin einen Knüppel aus seinem Imbiss im Bahnhofsgebäude geholt und damit geschlagen habe. Er selbst bestreitet dies.

Maik R. warf dem Mann schließlich eine fast volle Bierflasche an den Kopf, was zu schweren Verletzungen führte. Der Türke sackte zusammen, wurde von der Gruppe umstellt und mit Fußtritten gegen Kopf und Rücken traktiert. Seiner Freundin gelang es schließlich, die Peiniger von dem bewusstlosen Mann abzudrängen. Er erlitt mehrere Schädelbrüche und hätte Gutachten zufolge ohne Notoperation nicht überlebt.

Dass alle beteiligten Männer von rechtsgerichteter Gesinnung sind, daran hatte auch Richter Sternberg keinen Zweifel. Mehrere tragen entsprechende Tätowierungen. Eine Verurteilung wegen eines rassistisch motivierten Mordversuches lehnte der Richter dennoch ab. "Es ist nicht zweifelsfrei feststellbar, dass Ausländerfeindlichkeit das tragende Motiv war", sagte der Richter. Es sei eine spontane und nicht geplante Tat gewesen. Und es gebe eine Zeugenaussage, wonach das Opfer selbst einen Stock geschwungen habe.

Der 34-Jährige wollte sich zum Urteil nicht äußern. "Aber er sagt, er hat niemand mit einem Stock bedroht. Dass ihm das hier nicht geglaubt wurde, macht ihn besonders betroffen", sagte Antje Arndt von der Mobilen Opferbetreuung nach der Urteilsverkündung. Sein Anwalt Sönke Hilbrans kritisierte das Urteil. Die Täter hätten als Gruppe gehandelt. "Eine Verurteilung wegen versuchten Mordes wäre richtig gewesen", so der Anwalt. Er prüfe nun, ob er Revision einlegt.