Magdeburg/Köln l Großer Auftritt für Frühaufsteher-Frühchen: Ein Fernsehteam dreht für eine Dokumentationsreihe auf Vox in der Universitätskinderklinik Magdeburg. Diese Woche waren die Kölner Reporter das erste Mal zu Besuch, um Babys auf der Frühgeborenen-Station zwischen Schläuchen, Computern und Wärmelampen zu filmen. In den kommenden Monaten wollen sie die Winzlinge und ihre Eltern auf ihrem Weg in ein normales Familienleben begleiten.

Dass das Team ausgerechnet auf Magdeburg gekommen ist, liegt am Ruf des Klinikleiters. Professor Gerhard Jorch wurde in der Focus-Ärzteliste 2013 zu einem der besten Neugeborenen-Spezialisten in Deutschland gekürt. Unter 60 Kollegen zogen nur drei mit ihm gleich - zwei Kölner, einer aus Lübeck. Jorch erhielt volle Punktzahl in drei Kategorien: Ansehen bei Eltern, wissenschaftliche Publikationen und Renommee bei Kollegen. Letzteres ist ihm schon deshalb sicher, weil in Sachsen-Anhalt bundesweit die wenigsten Neugeborenen sterben. Da mehr als ein Drittel der toten Babys Frühchen sind und Jorch eines der drei Zentren für Extremfrühchen im Land leitet, geht der Erfolg besonders auf sein Konto. Er sieht das anders. "Ich kann zwar meine Mitarbeiter motivieren und eine gute Organisation leisten. Aber die Arbeit am Patienten machen die Ärzte und Schwestern", sagt er. Vielleicht etwas bescheiden. Denn nach 32 Jahren als Leiter einer Neugeborenen-Station, davon 16 in Magdeburg, wird wohl die eine oder andere Erfahrung in den Umgang mit den Babys einfließen.

Dass ein Team nun filmt, was auf seiner Frühchen-Station passiert, freut ihn durchaus - allerdings mehr für die Stadt als für die Klinik. "Wir sind schon jetzt eine Hausnummer", sagt er. "Mir geht es um den Imagegewinn für Magdeburg. Jede Stadt profitiert, wenn sie ein Aushängeschild hat." Wann die Dokureihe ausgestrahlt wird und welchen Titel sie trägt, steht laut Produktionsfirma noch nicht fest. Wie oft das Team in Magdeburg drehen wird und ob es auch in andere Kliniken geht, könne man bislang ebensowenig sagen. Fest steht zumindest, dass es sechs Teile gibt.

Jorch geht mit den Dreharbeiten gelassen um. Verhaltensregeln hat er seinen Mitarbeitern nicht auferlegt, sagt er. Die Kameras schließt er - sofern die Gefilmten einverstanden sind - nirgends aus. Der Klinikchef erklärt: "Mir ist wichtig, dass wir uns transparent präsentieren und dass das Verhältnis zu den Redakteuren gut ist." Jorch ist nicht nur auf der Frühchenstation erfahren, sondern auch vor der Fernsehkamera, verrät er: "Als ich noch in Münster gearbeitet habe, war ich eine Zeitlang in jeder Menge Talkshows als Experte eingeladen."