Wernigerode l "Hebamme ist man aus Überzeugung", sagt Anne Wiecker. Die 27-Jährige ist seit einem Jahr in diesem Beruf tätig. 186 Babys hat Anne Wiecker bereits auf die Welt geholfen. Zuvor hatte die junge Frau, die selbst schon Mutter ist, einen Bachelor-Abschluss im Dienstleistungsmanagement erworben und sechs Wochen in New York gelebt.

Als Hebamme berät Anne Wiecker Frauen vor und nach der Geburt und bietet Kurse an. Außerdem übernimmt sie auf Honorarbasis Dienste am Harzklinikum in Wernigerode. Anne Wiecker: "Es gibt viele schöne Momente in unserem Beruf. Aber der Augenblick, wenn Eltern erstmals ihr Kind anschauen, ist der Inbegriff von Liebe und eine absolute Besonderheit."

Mit 48 Jahren schon 2066 Geburten betreut

Ihre Kollegin Kathrin Boks wollte seit der siebten Klasse Hebamme werden. Inzwischen hat die 48 Jahre alte Wernigeröderin 2066 Geburten betreut. Neben der Arbeit im Harzklinikum ist die erfahrene Hebamme in einer Frauenarztpraxis in der Schwangerenvorsorge tätig. "So kann ich die Frauen schon in den Monaten vor der Geburt begleiten." Gern bezeichnet sie sich als Hebamme aus Leidenschaft. "Natürlich braucht es wegen unserer Arbeitszeiten vor allem viel Rückhalt in der eigenen Familie", betont Kathrin Boks.

Geburten sind Teamarbeit

Doreen Franke hat schon über 1800 Geburten begleitet. In ihrer Familie gibt es noch eine Hebamme, durch die sie schon als Schülerin von diesem Beruf fasziniert wurde. Wie Kathrin Boks arbeitet Doreen Franke neben der Tätigkeit im Wernigeröder Kreißsaal in der Schwangerenvorsorge, gibt mit anderen Hebammen zusammen Kurse zur Geburtsvorbereitung, Rückbildungsgymnastik und Babymassage.

"In vielen Situationen ist unser Rat gefragt", sagt die 46-Jährige. Nicht nur die Geburt selbst, auch die Schwangerschaft und vor allem das Wochenbett seien für die jungen Eltern eine große Herausforderung, sagt Doreen Franke. "Wir dürfen bei diesen vielen neuen eindrucksvollen Momenten dabei sein und begleiten junge Eltern, eine kleine Familie zu werden."

Die drei Geburtshelferinnen sind sich einig, dass Väter im Kreißsaal willkommen sind. Dennoch sollten sie den Spielraum haben, selbst zu entscheiden, ob sie bei der Geburt dabei sein wollen oder nicht. Wichtig ist den Hebammen in ihrem Arbeitsalltag vor allem die Teamarbeit. Jede Geburt ist nicht nur der Tätigkeit der Hebammen zu verdanken, betont Doreen Franke, sondern stehe immer ein ganzes Team von Schwestern und Ärzten ihnen sowie den Müttern zur Seite. "Gegenseitiges Vertrauen ist eine Voraussetzung für jede individuelle Geburt in Sicherheit und Geborgenheit." Dennoch, so die drei Fachfrauen, sei jede Geburt einzigartig.

"Wenn Eltern ihr Kind verloren haben - so etwas schüttelt man nicht einfach an der Kreißsaaltür ab." - Hebamme Anne Wiecker

Im Berufsleben der Hebammen gibt es auch schwierige Situationen zu bewältigen. "Wenn beispielsweise Eltern ein Kind verloren haben und Abschied nehmen müssen - so etwas schüttelt man nicht einfach an der Kreißsaaltür ab", sagt Anne Wiecker nachdenklich.

Auch die aktuelle Diskussion um die seit Jahren ansteigenden Haftpflichtprämien für freiberuflich arbeitende Hebammen verfolgen die drei Geburtshelferinnen. Viele ihrer Kolleginnen haben ihren Beruf wegen finanzieller Probleme aufgeben müssen. Das wird durch den Berufsverband heftig kritisiert. Nur noch zwei Versicherer bieten einen Schutz für Hebammen an. Ursache sind hohe Geldzahlungen, die für die Versicherungen bei Geburtsschäden fällig werden. Eine Arbeitsgruppe im Innenministerium hat sich des Problems angenommen und in der vergangenen Woche in Berlin einen Bericht vorgelegt. Im Mittelpunkt stehen Vorschläge, um betroffene Geburtshelferinnen finanziell zu entlasten.

Dennoch würde sich Anne Wiecker jederzeit wieder für ihren Traumjob entscheiden, versichert die junge Frau. "Der Beruf hat viele positive Seiten. Das muss man sich immer vor Augen halten."