Magdeburg l Es scheint ein schier endloser Kampf zu sein. Am Wochenende schlugen illegale Sprayer erneut zu. Sie verunstalteten mit Farbdosen und "Nazifrei"-Sprüchen mehrere Fassaden rund um die Immermannstraße. Anwohner und Vermieter schütteln verständnislos den Kopf. "Kaum sind Fassaden wie an der Straßenecke frisch gemacht, wird wieder drübergeschmiert", schildert eine Anwohnerin der Immermannstraße ihre Beobachtungen.

Die Schäden gehen für die einzelnen Hausbesitzer in die Hunderte, im Wiederholungsfall am Ende gar in die Tausende Euro. Genau lässt sich die Schadenssumme bei den Privaten kaum beziffern. Anders bei der Stadt. Sie hat gemeinsam mit ihren stadteigenen Unternehmen Wobau, MVB, SWM und dem Kommunalen Gebäudemanagement (KGm) die Rechnung aufgemacht. Danach hat die Stadt in den vergangenen neun Jahren fast 1,5 Millionen Euro für die Beseitigung illegaler Schmierereien und Graffiti berappt - Eigenleistungen nicht einmal eingerechnet. Schwerpunkte waren u. a. das verwaiste Altstadtkrankenhaus und die Sternbrücke.

Die Täter sind indes kaum zu fassen. Die Aufklärungsquote lag im letzten Jahr bei nur 16,4 Prozent, zirka 4 Prozent niedriger als 2012. Und selbst wenn ein paar Sprayer geschnappt und angezeigt werden können, ist so gut wie nichts zu holen. Die finanzielle Lage dieser meist jugendlichen Straftäter sei "mehr als bescheiden", so dass vorrangig "angeordnete Arbeitsleistungen im Vordergrund" stünden, heißt es in dem Jahresbericht 2013 der Arbeitsgruppe "Graffiti" beim Kriminalpräventiven Beirat. In ihm sind auch die Zahlen über die Aufwendungen gegen die Schmierereien an städtischen Gebäuden, Bahnen oder Haltestellen seit 2005 aufgeführt.

Das vom Ordnungsbeigeordneten Holger Platz unterzeichnete Papier soll in Kürze dem Stadtrat vorgestellt werden. Die gute Nachricht: Die Summe, die die Stadt jedes Jahr zur Graffitibekämpfung einsetzen muss, geht zurück. Waren 2005 noch 185.250 Euro nötig, sank die Summe auf im vorigen Jahr 122.380 Euro.

Auch die Zahl der Anzeigen im Polizeirevier Magdeburg ist rückläufig. Sie sank von 942 im Jahr 2012 auf 718 im Jahr 2013. Wobei gut sein kann, dass betroffene Hausbesitzer teilweise schon auf eine Anzeige verzichten, weil die Strafverfolgung so schwierig ist. Und deshalb weniger Anzeigen gestellt werden.

Dennoch machen die rückläufigen Zahlen Hoffnung. Projekte, die den illegalen Schmierereien entgegensteuern, zeigen offenbar erste Wirkung: aufgehübschte Stromkästen, legale Graffiti-Projekte der Stadt wie das am "Bauarbeiter"-Club oder aufwendig gestaltete Fassaden wie die der Wobau neben Woolworth im Breiten Weg mit dem früheren Brauhaus "Zum Regenbogen". Es ist eine Ansage der Stadt: Der schwierige Kampf gegen die illegalen Sprayer ist doch nicht zwecklos.

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