Haldensleben l Mehrere Einsatzwagen der Polizei fahren am Dienstag an einer Werkstatt in einem kleinen Ort nördlich von Magdeburg vor. Insgesamt 82 Beamte aus dem Bördekreis und Magdeburg filzen zeitgleich Wohnungen und ein weiteres Grundstück.

Der Großeinsatz gilt drei Männern im Alter zwischen 29 und 39 Jahren sowie einer 28-jährigen Frau. Sie sollen reihenweise die Prüfberichte und Plaketten für die Hauptuntersuchung von Kraftfahrzeugen gefälscht haben. Damit kamen so vor allem mangelhafte Fahrzeuge trotzdem zu ihrem Siegel.

Seit 2013 vermehrt gefälschte TÜV-Plaketten

Hauptbeschuldigter ist ein 39-jähriger Werkstattbesitzer aus der Börde. Ermittelt wird wegen Urkundenfälschung und gewerbsmäßiger Hehlerei. Hauptkommissar Helge Haensch vom Revier Börde: "Wir konnten bei den Durchsuchungen zahlreiche Dokumente, Computer und Kommunikationsmittel sicherstellen. Es wird Monate dauern, bis alles ausgewertet ist." Auf Vorrat gedruckte Plaketten habe man aber nicht entdeckt.

Die Fälschungen tauchten 2013 erstmals vermehrt auf. Die Zahl der Fälle verdoppelte sich allein in Magdeburg von 142 auf 348 im vergangenen Jahr. Im Bördekreis stiegen sie sogar von 25 im Jahr 2013 auf mehr als 50 Fälle in diesem Jahr. Polizeioberkommissarin Kathleen Wendt aus Haldensleben: "Inzwischen stellen wir sieben solcher gefälschter Plaketten an einem Wochenende fest."

In Magdeburg beschäftigt sich sogar eine spezielle Ermittlungsgruppe mit dem Phänomen. Leiterin Polizeikommissarin Anja Schrader: "Wir führen 170 solcher Verfahren." Die Fälscher aus der Börde seien vermutlich nur die Spitze des Eisberges.

Autobesitzer werden verdächtig

Weil auch im Osten Niedersachsens die Fälle anstiegen, gab es Ende März dieses Jahres eine Tagung von Polizei und Verkehrsbehörden. Es ging auch um verbesserte Schulungen zum Erkennen der Fälschungen. Schrader: "Viele Autobesitzer fallen aus allen Wolken, wenn sie mit der gefälschten Plakette erwischt werden. Sie sind dann selbst Beschuldigte in einem Strafverfahren." Zudem müsse das Fahrzeug neu kontrolliert werden.

Dekra-Sprecher Wolfgang Sigloch: "Wir tun bereits sehr viel für die Fälschungssicherheit. Bei Zweifeln empfehlen wir, den im Prüfbericht angegebenen Sachverständigen anzurufen." Meist fliege der Schwindel dann schon auf.