Einschalten ist Pflicht!

Das Finale des "Eurovision Song Contest" 2014 ist am Sonnabend ab 20.15 Uhr auf ARD zu sehen. Vor Ort in Kopenhagen ist auch Volksstimme-Reporterin Christin Käther. Alle Infos zum ESC gibt es im Volksstimme-Live-Ticker unter www.volksstimme.de/tickeresc14.

Youtube-Stars und ein Busenwunder mit Damenbart - so sieht die Konkurrenz für Elaiza beim Eurovision Song Contest aus. Welche Chancen die anderen Finalnationen haben, können am besten ihre Landsleute beurteilen. Die Volksstimme hat in Sachsen-Anhalt einige von ihnen gefunden.

Kopenhagen l So richtig anfreunden kann sich Isabel Pfusterer mit ihr nicht. Oder mit ihm, das Geschlecht des österreichischen Finalisten ist wohl Geschmackssache. Genau wie das Styling. Denn Conchita Wurst trägt zum Abendkleid einen Vollbart. Der auffällige Look allein wird ihr keinen Sieg bescheren, glaubt Grazerin Pfusterer, die zum Freiwilligendienst bei der Auslandsgesellschaft nach Sachsen-Anhalt gekommen ist. "Sie liefert zu wenig Show ab. Aber ich finde gut, dass sie provoziert."

Freundliche Worte im Vergleich zum Verriss des französischen Beitrags. "Sexistisch und mit vielen Klischees", kritisiert Anne Lequy, Rektorin der Hochschule Magdeburg-Stendal, "Moustache" von drei schrägen Vögeln namens Twin Twin. Auch das griechische Lied von Freaky Fortune feat. Risky Kidd, eine Kombo dynamischer Schönlinge, kommt nicht gut weg. "Wie Karussellmusik" klingt es in den Ohren des Magdeburgers Theodoros Tsofitidis. Und Maor Salman findet den Beitrag aus Israel, "Same Heart", gar "fürchterlich".

Das Urteil von Nils S0gaard vom Puppentheater Magdeburg fällt zumindest nicht ganz so vernichtend aus. Für das Gute-Laune-Lied "Cliché Love Song" aus dem Gastgeberland Dänemark gibt`s das Prädikat "Kann man sich anhören, muss man aber nicht". Jedenfalls kein Fall für`s Siegertreppchen. Auch die Burger Schülerin Julia Gomjr glaubt nicht, dass ihr Heimatland gewinnt - allerdings aus einem anderen Grund. Das Lied "Cheesekake" aus Weißrussland "ist zwar schön. Aber man muss es mehrmals hören, um den Sinn zu verstehen", sagt sie.

Den polnischen Finalisten, Donatan und Cleo, werden ebenso wenige Siegchancen eingeräumt. Dabei sind sie im Internet Stars. Ihr Lied wurde auf Youtube mehr als 40 Millionen Mal angeklickt. Krzysztof Blau von der Deutsch-Polnischen Gesellschaft ist trotzdem skeptisch. "Ich glaube, das Lied kommt nur in Polen an. Ansonsten ist es zu klischeehaft."

Es gibt aber auch Künstler, die von ihren Landsleuten in Sachsen-Anhalt nichts als Lob ernten. Zum Beispiel die spanische Vertreterin Ruth Lorenzo. Lucia Eberhard aus Magdeburg schwärmt: "Sie hat eine kraftvolle, außergewöhnliche Stimme." Auch ihre Kollegin aus der Ukraine, Maria Yaremchuk, kommt in der Heimat an. "Sie hat eine interessante Stimme und ist eine hübsche Frau, die sich bewegen kann", sagt Yevgen Mykhalchenko vom Art Depot Magdeburg. Er glaubt, ihre Chancen auf einen vorderen Platz stehen gut. "Vielleicht hat sie wegen der schwierigen politischen Lage in der Ukraine auch einen Sympathie-Bonus."

Elena Klein vom Integrationsverein Meridian hofft eher, dass die Zuschauer beim Abstimmen die politische Situation außen vor lassen. "Es sollte nur um die Musik gehen", sagt die geborene Russin. Und die Musik aus ihrem Land - sie kommt von einer blonden Versuchung im Doppelpack namens Tolmatschewy Sisters - steht ihrer Meinung nach völlig zu Recht im Finale: "Das Lied hat Magie", sagt sie.

Auch die niederländischen Finalisten kommen an. The Common Linnets überzeugen Marion van Ginkel aus Deetz bei Zerbst mit Minimalismus. "Die beiden müssen keine große Show abliefern, das Lied wirkt für sich", sagt sie. "Unter die besten zehn kommt es bestimmt."

Der ungarische Beitrag erntet ebenso viel Lob. Jánós Raduly vom Verein Ungarn mitten in Sachsen-Anhalt ist von "Running" besonders wegen des Textes begeistert - geht es doch um das sensible Thema Kindesmisshandlung.

Beim Lied aus Großbritanien sind die Landsleute in Sachsen-Anhalt gespalten. "Die Sängerin hat eine großartige Stimme. Ich drücke ihr die Daumen", sagt David Tucker vom ADFC in Magdeburg. "Die Musik ist zwar eingängig, aber es gibt keine deutliche Botschaft", kritisiert hingegen Studentin Katie Barnett.

Gespalten ist auch Yashar Millnits vom Deutsch-Aserbaidschanischen Kulturverein - allerdings darüber, wem er die Daumen drücken soll. "Dilara Kazimova singt live sehr gut. Aber Deutschland ist nun einmal meine zweite Heimat - deshalb bin ich auch für Elaiza."

   

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