Magdeburg l Sachkenntnis, Ausdrucksvermögen, Gesprächsfähigkeit und Überzeugungskraft - in diesen Disziplinen müssen die Teilnehmer die Jury beim bundesweit größten Schulewettbewerb "Jugend debattiert" überzeugen. Acht Schüler in zwei Altersklassen traten gestern beim Landesfinale in Magdeburg gegeneinander an.

Zwei Herren konnten sich schließlich gegen würdige Konkurrenten durchsetzen. Friedrich Jahn vom Gymnasium "Carolinum" in Bernburg überzeugte in der Altersgruppe 1 (8. bis 10. Klasse) beim Thema: "Sollen in Sachsen-Anhalt Computerspiele als Lernmittel in der Schule zugelassen werden?" durch sachliche eigene Argumente und geschicktes Eingehen auf die der Kontra-Seite. "Direkt nach der Debatte hatte ich schon ein gutes Gefühl. Mein mitgereister Lehrer machte mir mit seinen Worten noch mehr Hoffnung auf den Sieg", erklärte der Neuntklässler.

In der Altersklasse 2 (11. und 12. Klasse) beeindruckte Benjamin Hilprecht vom Dr.-Frank-Gymnasium in Staßfurt die Jury am meisten. Seine hohe Sachkenntnis und gute Körpersprache stachen dabei besonders heraus. Genau wie sein jüngeres Pendant argumentierte Benjamin Hilprecht auf der Seite der Befürworter. Die vier Finalisten in Altersgruppe 2 tauschten zum Thema: "Soll bei Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt die 5-Prozent-Hürde auf 3 Prozent abgesenkt werden?" ihre Argumente aus.

Beide Seiten, Pro und Kontra, bestanden aus jeweils zwei Teilnehmern. Jeder Schüler hatte am Anfang der Debatte zwei Minuten Zeit, um seine Position klar zu machen und erste Argumente vorzubringen. Nach diesen insgesamt acht Minuten konnten die Finalisten in der freien Aussprache auf die Argumente der Gegenseite eingehen. "Hier zeigt sich, wer spontan reagieren kann und trotzdem souverän bleibt", erklärt Sebastian Mitrenga, Landesbeauftragter für "Jugend debattiert". Eine umfangreiche Vorbereitung sei dabei ein Schlüssel zum Erfolg. Zehn Tage vor dem Finale erhielten die Teilnehmer drei Themen. Jedes konnte im Finale drankommen, also mussten sich die Schüler auf alle vorbereiten. Hierbei geht es nicht nur darum, seine eigene Meinung mit Argumenten zu stärken oder durchzusetzen. "Eine Debatte ist gar nicht so sehr Kampf, wie Außenstehende vielleicht denken. Es geht eher darum, gemeinsam schwächere Argumente zu entkräften und somit der Lösung des Problems näherzukommen", weiß Mitrenga.

Ob die einzelnen Schüler bei den möglichen Themen privat nun auf der Pro- oder der Kontra-Seite waren, war für die Debatte nicht interessant, denn die Seiten wurden erst kurz vor Beginn des Wettbewerbs ausgelost.

Zum Ende der Debatte durfte jeder Redner sein Schlussplädoyer halten und damit ein Fazit aus der Debatte ziehen. So kommt es nicht selten vor, dass die Redner innerhalb der Debatte sich von Argumenten überzeugen lassen und ihre Meinung ändern. Sieger seien an diesem Tag alle Teilnehmer gewesen, betonte Alexander Osterkorn. Er gewann das Bundesfinale 2010 und stellte sich als Vorsitzender der Jury zur Verfügung. Gegen insgesamt 3000 Teilnehmer von 27 Schulen setzten sich die verbliebenen acht durch. Die ersten beiden der jeweiligen Altersklasse dürfen nun zur Qualifikation für das Bundesfinale in Berlin fahren und nehmen an einem Debattier-Seminar teil.

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