Magdeburg l Silke Julius muss ihre Sendungen nicht mehr aus der Postfiliale abholen, wenn sie den Boten verpasst hat. Die 48-jährige Magdeburgerin hat bereits seit einem knappen Jahr einen DHL-Paketkasten vor ihrer Haustür stehen. "Der Bote kann mit einem Chip das Schloss des Kastens öffnen und meine Bestellungen dort verstauen", erklärt Julius. "Ich mache den Kasten dann mit einem eigenen Chip auf, wenn ich von der Arbeit komme."

Als Post-Mitarbeiterin konnte Julius am Testlauf für die Paketkästen teilnehmen. Und weil dieser aus Sicht der DHL erfolgreich war, bietet der Logistik-Riese die Kästen seit Montag nun bundesweit allen Kunden an. "Der Paketkasten ist die größte Erfindung seit dem Briefkasten", findet Konzernvorstand Jürgen Gerdes.

DHL zielt mit dem Angebot vor allem auf Besitzer von Einfamilienhäusern ab, die sich den Kasten auf das eigene Grundstück stellen können. Die Basisversion kostet 99 Euro, je nach Kastengröße und Extrawünschen kann der Preis aber auch auf mehr als 500 Euro steigen. Silke Julius hat sich das größte Exemplar gekauft, in dem auch gleich noch ein Fach für Briefe integriert ist. DHL bietet seinen Kunden aber auch an, einen Kasten für monatlich 1,99 Euro zu mieten.

Mit der Kasten-Lösung geht es DHL aber nicht nur darum, den Kunden einen bequemeren Service zu bieten. Das Unternehmen spart Kosten, da die Paketboten nicht mehr so viel Zeit benötigen, um Sendungen loszuwerden, wenn der Empfänger nicht zu Hause ist. "Es ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg, unsere Marktposition in Deutschland auszubauen", sagt DHL-Vorstand Gerdes.

Weil immer mehr Verbraucher Produkte im Internet bestellen, ist der Logistikmarkt zuletzt enorm gewachsen. Mehr als zwei Milliarden Pakete wurden im vergangenen Jahr bundesweit verschickt, jedes zweite davon von einem Unternehmen zu einem Verbraucher. DHL ist mit großem Abstand zu Hermes, UPS, GLS und DPD Marktführer, verschickt allein pro Tag 3,4 Millionen Pakete.

Die Konkurrenz ist über das neue Service-Angebot des Marktführers alles andere als begeistert, denn Kunden können mit dem Kasten nur DHL-Sendungen bekommen, jedoch nicht die Pakete der Wettbewerber. "Wir hätten uns eine Branchen-Lösung gewünscht", erklärt Hermes-Sprecher Martin Frommhold. Im Zweifelsfall könnte es nun dazu kommen, dass alle Logistikanbieter Kästen aufstellen, Verbraucher dann mehrere vor ihrer Haustür stehen haben.

GLS kritisiert das Vorpreschen des Marktführers ebenfalls: "Die Exklusivität für DHL-Pakete halten wir für falsch. Wenn der Kunde den Paketkasten kauft, sollte er auch selber entscheiden können, welche Pakete sich dort abgeben lassen", heißt es auf Volksstimme-Anfrage. Eine Branchen-Lösung hält GLS für denkbar, sofern Sicherheit und Datenschutz gewährleistet blieben. Das Unternehmen will aber vorerst darauf beschränken, Kunden zeitnah zu informieren, wann Bestellungen eintreffen. Den Markt für die Paketkästen hält GLS für begrenzt, "da es genügend flexible und auch kostenfreie Alternativen gibt".

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