Quedlinburg/Bad Suderode l Im Tauziehen um den Verkauf des seit Sommer 2013 geschlossenen Kurzentrums im Quedlinburger Ortsteil Bad Suderode (Harz-Kreis) müssen die Karten nun wohl völlig neu gemischt werden: Gegen die in Berlin ansässige Pro Habitare Projektentwicklungs-AG, die das Kurzentrum Ende 2013 erworben hatte, ist vor dem Amtsgericht Berlin-Charlottenburg ein Insolvenzverfahren beantragt worden. Quedlinburgs Oberbürgermeister Eberhard Brecht (SPD) sieht keine Chance mehr, den Verkauf abzuwickeln und strebt einen zweiten Anlauf zur Privatisierung des Kurzentrums an. Der Stadtrat soll darüber und über die Rückabwicklung des Verkaufs an Pro Habitare am 20. Mai in einer Sondersitzung entscheiden.

Folgen die Stadträte kurz vor der Kommunalwahl Brechts Vorschlag, fiele das defizitäre Kurzentrum an Quedlinburg zurück. Der Oberbürgermeister sieht jedoch gute Chancen, in einem zweiten Anlauf doch noch einen solventen Käufer für das Haus zu finden. Ob diese Hoffnung realistisch ist, bleibt abzuwarten.

Im ersten Verfahren waren mehrere Interessenten am Start. Schlussendlich blieb nur Pro Habitare und die Hoffnung von Bad Suderode und Quedlinburg, sich mit dem Verkauf eines Millionengrabs zu entledigen. Mit dem in den 1990er Jahren eröffneten Kurzentrum waren Jahr für Jahr hohe Verluste eingefahren worden, die das Land mit Liquiditätshilfen ausgeglichen hatte. Eine Hilfe, an der sich der Rechnungshof stieß: Das Land könne nicht die Defizite eines kommunalen Kurbetriebs mit Steuermitteln kompensieren.

Kritik, auf die die Stadt Quedlinburg nach der Zwangseingemeindung von Bad Suderode mit der europaweiten Ausschreibung des Kurzentrums reagierte. Das Verfahren selbst zog sich hin und gestaltete sich kompliziert. Unter anderem, weil die Eingemeindung von Bad Suderode zwischenzeitlich vom Gericht gekippt wurde und die Gemeindeväter die Zügel wieder in die Hand bekamen. Sie machen Ende 2013 wenige Tage vor der erneuten Zwangseingemeindung in die Stadt Quedlinburg den Verkauf an Pro Habitare perfekt.

Den vereinbaren Kaufpreis von einer Million Euro blieben die Berliner ebenso schuldig wie 600.000 Euro, mit denen sie sich an den Abfindungszahlungen für die Mitarbeiter beteiligen müssen. Pro-Habitare-Aufsichtsratschef Joachim Marienburg, der am Montag nicht zu erreichen war, begründete den Verzug stets mit ungeklärten Grundbuchfragen. Zuletzt stellte er eine Zahlung im Mai in Aussicht und kündigte Großinvestitionen an. Für 30 Millionen Euro will er das Kurzentrum mit Partnern zum Gesundheitsresort mit Hotel umbauen. Pläne, die mit dem Insolvenzantrag, den eine Krankenkasse gestellt hat, und der von OB Brecht angestrebten Rückabwicklung des Vertrags in weite Ferne rücken. Die Quedlinburger sind verstimmt, weil sie der Erwerber nicht über den Insolvenzantrag informiert habe.