Haldensleben/Sanaa (AFP/dpa/mh) | Ein Mann aus Haldensleben (Landkreis Börde), der im Januar im Jemen entführt wurde, ist nach dreieinhalb Monaten wieder frei. Das meldet die Nachrichtenagentur Saba. Das Auswärtige Amt bestätigt die Freilassung. Dem Mann gehe es den Umständen entsprechend gut. Der Haldensleber ist seit dem Abend in der deutschen Botschaft in Sanaa.

Der Mann war Ende Januar in Sanaa von Bewaffneten verschleppt worden. Das Auswärtige Amt bildete daraufhin einen Krisenstab. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) äußerte sich nun erleichtert über die Freilassung.

Seine Freilassung verdankt der Mann laut der jemenitischen Nachrichtenagentur den Bemühungen des Gouverneurs der nordöstlichen Provinz Al-Dschawf, Mohammed bin Abboud. Dieser gehört zu dem in Marib ansässigen Al-Aschraf-Stamm.

Al-Qaida bot zwölf Millionen US-Dollar für Entführten

Aus der Umgebung der Vermittler hieß es, der Deutsche sei freigekommen, nachdem die Regierung angeordnet hatte, inhaftierte Verwandte freizulassen. Al-Jemen Al-Jum hatte seinerzeit berichtet, bei dem Kidnapper handele es sich um ein Stammesmitglied mit dem Namen Ali Haridschiwan, der zwei im Jemen inhaftierte Verwandte freipressen wolle.

Ali Hareigdan hatte im April schließlich angegeben, die Terrorgruppe Al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) hätte ihm für die Geisel zwölf Millionen US-Dollar (8,66 Millionen Euro) geboten. Er stellte die Behauptung auf, seine Geisel sei ein Angehöriger der deutschen Sicherheitskräfte. Deshalb habe ihm Al-Qaida so viel Geld angeboten.

Nach Arabischkurs verschleppt

Der etwa 70-jährige Mann war in den Jemen gereist, um einen Arabischkurs zu besuchen. Am 31. Januar wurde er in Sanaa gekidnappt und in eine Stammesregion östlich der jemenitischen Hauptstadt verschleppt worden.

Ein Fernsehsender im Jemen hatte Anfang April eine Filmsequenz gezeigt, die den Mann an der Seite seines mit einer Kalaschnikow bewaffneten Entführers zeigte. Der abgemagert aussehende Deutsche trug ein weißes Gewand und eine Sonnenbrille. Ein Reporter des Privatsenders Al-Jemen Al-Jum gab an, das Entführungsopfer leide an Lungenkrebs und müsse behandelt werden.

Der Privatsender meldete, der Deutsche sei mit einem Hubschrauber aus dem Stammesgebiet gebracht worden. Auch diesen Informationen zufolge war die Forderung der Entführer erfüllt worden.

Entführungen von Ausländern sind im Jemen nicht selten. In den meisten Fällen wollen die Kidnapper die Freilassung von Miliz- oder Stammesangehörigen aus dem Gefängnis erzwingen oder Forderungen nach Lösegeld durchsetzen.

Im Jemen wurden in den vergangenen Jahren zahlreiche Menschen entführt. Meistens stecken Stämme dahinter, die von der Regierung Zugeständnisse erpressen wollen.