Magdeburg l Wie gesund sind die Sachsen-Anhalter? Das wollte die DAK Krankenkasse genauer wissen und hat die Daten von 62.000 Mitgliedern ausgewertet. Von 1.000 Arbeitnehmern waren in Sachsen-Anhalt im Schnitt pro Tag 49 - oder 4,9 Prozent - krankgeschrieben. Damit war der hiesige Krankenstand nach Brandenburg (5 Prozent) der zweithöchste im Bundesgebiet. Der Bundesdurchschnitt lag bei 4 Prozent.

Fast 18 Tage war ein DAK-Versicherter im vergangenen Jahr im Durschschnitt krankgeschrieben. Besonders Erkältungskrankheiten machten den Menschen zu schaffen. Fehltage aufgrund von Husten und Schnupfen stiegen um 23 Prozent. "Der höchste Krankenstand seit drei Jahren ist auf den kalten Winter und die folgende Grippewelle zurückzuführen", erklärte DAK-Regionalchef Björn Schönberg.

Die häufigste Krankheitsursache waren Probleme des Muskel-Skelett-Systems, etwa Rückenschmerzen. Es folgten Atemwegserkrankungen und Verletzungen. Krankmeldugen wegen psychischer Erkrankungen seien zudem seit Jahren auf dem Vormarsch, bestätigte Soziologe Jörg Marschall, der die Studie am IGES Berlin durchführte.

Doch psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Burnout würden nicht zunehmen, sondern einfach häufiger diagnostiziert werden. "Wo früher von chronischen Rückenschmerzen die Rede war, wird heutzutage vor der Diagnose Depression nicht zurückgeschreckt", so Marschall. Der offenere Umgang mit dem Thema - auch durch prominente Fälle - habe es auch für Arbeitnehmer in Sachsen-Anhalt einfacher gemacht über das Thema zu sprechen. Besonders häufig waren Arbeitnehmer aus der Gesundheitsbranche krank, so die Studie. Beschäftigte in der Rechtsberatung und anderen Unternehmensdienstleistungen hatten hingegen mit einem Krankenstand von 4,1 Prozent den niedrigsten Wert.

25- bis 39-Jährige weniger häufig krank

Arbeitnehmer zwischen 25 und 39 Jahren fielen deutlich seltener aus als jüngere Kollegen und waren kürzer krankgeschrieben als die Älteren. Gerade in dieser Lebensphase scheinen die Menschen besonders leistungsfähig zu sein. "Beruf, Kinder und Karriere beanspruchen die Arbeitnehmer zwischen 25 und 39 Jahren besonders", sagte DAK-Chef Schönerg.

Es sei überraschend, dass sich dieser Druck nicht auf die Krankschreibungen auswirke. Dennoch dürfe dieser niedrige Krankenstand nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich in diesem Alter erste Ansätze für chronische Krankheiten bildeten, so Schönberg. Damit die Arbeitnehmer bis zum 67. Lebensjahr produktiv sein können, empfehlen deutsche Krankenkassen Unternehmen in die Gesundheit ihrer Mitarbeiter zu investieren. Wichtig sei, dass eine langfristige Idee hinter den Gesundheitskonzepten stecke. "Nur dauerhafte Maßnahmen führen zu dauerhafter Gesundheit", sagte Schönberg.

Die DAK-Gesundheit ist mit 6,3 Millionen Versicherten die drittgrößte Krankenkasse in Deutschland. Auf Platz zwei liegt der jahrelange Branchenprimus Barmer GEK mit 8,6 Millionen Mitgliedern. Seit 2014 ist die Techniker Krankenkasse mit 8,7 Millionen Versicherten die größte Kasse. Sie gewann seit 2013 stark an Kunden hinzu. Während andere Kassen tendenziell eher durch Fusionen größer wurden, wuchs die TK durch Mundpropaganda aus eigener Kraft.

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