Lüttgenziatz l Nach ersten Planungen im Jahr 2006 und dem Baustart im Jahr 2012 sind nun 900 Kühe in den High-Tech-Stall eingezogen. Das nicht zu übersehende Gebäude ist 200 Meter lang, 73 Meter breit und am Dachfirst 17 Meter hoch. Ein offenes Dach erspart teure Lüftungsanlagen, die seitlichen Jalousien können je nach Wind und Wetter geöffnet oder geschlossen werden. In den nächsten Wochen sollen auch noch Massagebürsten für die Tiere sowie eine Wasservernebelungsanlage installiert werden. Gummierte Spaltenböden und viele Bewegungsmöglichkeiten sollen zum Wohlgefühl der Paarhufer in der neuen Anlage beitragen.

"Mit der Anlage werden weltweit neue Maßstäbe gesetzt."
- Jörg Börstler, Kreisveterinäramt JL

Zur feierlichen Einweihung des Gebäudekomplexes kamen zahlreiche Branchenkollegen und Vertreter der Kommunalpolitik. Von dem modernen Betrieb waren alle beeindruckt. "Hier werden weltweit neue Maßstäbe gesetzt", bestätigt auch Jörg Börstler vom Veterinäramt des Landkreises Jerichower Land. Auf dem Rondell des rotierenden Melkstandes können 72 Tiere zugleich gemolken werden. Dabei übernehmen Mitarbeiter das Anschließen der Zitzenbecher noch von Hand.

Auch der amtierende Landrat Lothar Finzelberg ist beeindruckt von der Investition in Lüttgenziatz. Seine Behörde hatte die Umsetzung geltender Vorschriften prüfen müssen: Das amtliche Zertifikat kommt zum Ergebnis, dass die Neubauten "vollumfänglich den derzeit gültigen tierschutzrechtlichen, tierseuchenrechtlichen und lebensmittelrechtlichen Anforderungen entsprechen".

Einen hohen Anteil an der Realisation der Betriebserweiterung hat Edmund Herrmann, Geschäftsführer des hiesigen Bauernverbandes und einer der Kandidaten für das Amt des Landrates im Jerichower Land. Seit Jahren steht der Landwirtschaftsberater dem in Lüttgenziatz sesshaft gewordenen Holländer beratend zur Seite. Anregungen für seinen in Architektur und Abmessungen außergewöhnlichen Neubau hatte sich Dirk van den Tillaart unter anderem in den Vereinigten Staaten von Amerika geholt, die verwendete Technik stammt zum Teil aus Neuseeland.

Insgesamt sind in dem Betrieb 2400 Milchkühe - überwiegend Schwarzbunte - untergebracht. Zwei Mal am Tag betreten die Tiere den in gemächlichem Tempo rotierenden Melkstand, täglich gibt eine Kuh durchschnittlich 29 Kilogramm Milch. Sechs Jahre verbringt eine Kuh in dem Unternehmen, vier davon in der Milchproduktion. Der Betrieb produziert im Jahr 22 Millionen Kilogramm Milch, sagt Betriebsinhaber Dirk van der Tillart.

Der Holländer hatte 1994 die Geschäftsanteile der Lübars Agrar GmbH übernommen und baute den Betrieb bis heute kontinuierlich aus. Inzwischen zählen zu dem Unternehmen auch Anlagen in Loburg und Rosian. 75 Mitarbeiter werden insgesamt in dem Unternehmen beschäftigt. Und Dirk van der Tillart will weiter investieren: Bereits im Juni dieses Jahres soll in Lüttgenziatz der zweite Bauabschnitt erfolgen - ein weiterer Kuhstall für voraussichtlich weitere 400 Milchkühe.

Die bereits im Jahr 2010 errichtete Biogasanlage auf dem Firmengelände am Ortsausgang Lüttgenziatz erzeugt 526 Kilowatt im Jahr und ist in hohem Maße auf ein Produkt angewiesen, welches die Kühe außer Milch von sich geben: Etwa 80 bis 90 Prozent der anfallenden Gülle werden zu Strom, Wärme und Dünger veredelt.

 

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