Dieser Mann steht im wahrsten Sinne des Wortes für nackte Tatsachen: Herbert Nussbaum (55). Der gebürtige Ost-Berliner, Aushängeschild der "Nackedei-Partei", will Oberbürgermeister in Düsseldorf werden. Am 25. Mai wird dort gewählt.

In der Rheinmetropole ist Nussbaum bekannt wie ein bunter Hund. Die meisten kennen ihn allerdings nur unter seinem Künstlernamen: "Herby - der Nacktcowboy". Denn: Herr Nussbaum, von Beruf Straßenmusiker, klimpert nur mit knappem Badehöschen oder String-Tanga bekleidet auf seiner Gitarre. In der Düsseldorfer Altstadt, der Partyzone, löst er Freudenstürme vor allem bei leicht angesäuselten Frauengruppen aus. Auf der piekfeinen Einkaufsmeile, der "Kö", findet man "Herby" weniger anziehend. Die Inhaber der Luxusläden fürchten, dass der fast Hüllenlose die gut gekleidete Kundschaft verschrecken könnte. Geschäftsleute hetzten ihm sogar das Ordnungsamt auf den Hals, welches ihn mit Geldbußen überzog.

Doch ein Verwaltungsrichter schlug sich auf die Seite des Straßenmusikanten. "Herby" sei kein anstößiger Verstoß gegen die öffentliche Ordnung, urteilte er. Der Nacktcowboy dürfe sich auf die Freiheit der Kunst berufen.

"Herby" ist also einer, der sich nicht so schnell ins Bockshorn jagen lässt. Ein Kämpfer. Und, ja, Mannsbilder wie ihn brauchen wir in der Politik. Adamskostüm statt Nadelstreifen. Ein charmanter Gedanke. Er sei "eher links", verrät der Mann mit dem roten Cowboy-Hut. Sein Wahlprogramm? Recht nackig. "Die Partei soll für Transparenz, Enthüllung und Wahrheit stehen." Sagt "Herby" - hüllenlos in Düsseldorf.