Magdeburg l Nach den Rücktritten von Vize-Landeschef Ronny Kumpf und sieben weiteren Kandidaten für den Magdeburger Stadtrat steht der Landesverband der Alternative für Deutschland (AfD) noch unter Schock. "Ich gehe davon aus, dass unentschlossene Wähler uns nun nicht mehr ihre Stimme geben", sagte der kommissarische Vorsitzende Tobias Rausch am Montag der Volksstimme. Gleichzeitig beteuerte er: "99 Prozent unserer Mitglieder sind sauber." Der Landesverband zählt nach AfD-Angaben rund 280 Mitglieder.

Die Volksstimme hatte am Wochenende darüber berichtet, dass von den AfD-Kandidaten für die Landeshauptstadt mehrere polizeibekannt sind, gegen sie schon unter anderem wegen Gewalt- und Drogendelikten ermittelt wurde. Rausch betonte, der zurückgetretende Vizechef Kumpf sei nicht vorbestraft.

Polizei ermittelt gegen Kumpf und Alsleben

Er bestätigte aber, dass Stadtratskandidat Jörg Alsleben eine kriminelle Vergangenheit hat. "Wir prüfen derzeit, wofür er verurteilt worden ist, und leiten je nach Schwere der Delikte ein Parteiausschlussverfahren ein." Kumpf und Alsleben seien von den acht Kandidaten die einzigen mit AfD-Parteibuch gewesen, der Rest habe lediglich auf der Parteiliste kandidiert. Für Rausch ist damit klar: "Die AfD wurde nicht von Kriminellen unterwandert."

Die Polizei bestätigte am Montag allerdings, dass sie aktuell gegen Ronny Kumpf wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt. Gegen Jörg Alsleben läuft zudem ein Verfahren wegen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte.

Der 23-jährige Rausch aus Staßfurt ist erst seit März Chef der AfD. Und das auch nur kommissarisch, weil der zuvor gewählte Parteichef Arndt Klapproth mit weiteren Mitgliedern aus dem Landesvorstand zurücktrat. Gegenüber der Volksstimme zeigte sich Klapproth, der weiterhin AfD-Mitglied ist, geschockt über die Geschehnisse.

Rausch lehnt eidesstattliche Erklärungen ab

Er betont, dass sie aber mit seinem Rücktritt nichts zu tun hätten: "Was sich jetzt herausgestellt hat, war zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt." Klapproth fordert nun Konsequenzen: "Jeder, der für ein Amt kandidiert, sollte eine eidesstattliche Erklärung abgeben, dass er nicht straffällig geworden ist." Die AfD sei keine rechte Partei. "Es kann nicht sein, dass zwei, drei Leute die Partei runterziehen."

Tobias Rausch lehnt strengere Prüfungen jedoch ab: "Eidesstattliche Versicherungen oder polizeiliche Führungszeugnisse zu verlangen, würde zu weit führen - wir sind nicht bei der SED oder der NSA." Es sei Aufgabe der Kreisverbände vorab Gespräche zu führen.

Bundesparteichef Bernd Lucke wollte sich auch am Montag nicht zu den Geschehnissen äußern, der Berliner AfD-Sprecher Christian Lüth verwies auf die Zuständigkeit des Landesverbands. "Der Bundesvorstand wird sich vom Landesvorstand Bericht erstatten lassen und dann entscheiden, welche Konsequenzen gezogen werden. Das wird aber wohl nicht vor der Europawahl der Fall sein."

 

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