Schöffen sind Laienrichter im Ehrenamt

Ehrenamtliche Richter heißen Schöffen. Sie werden auch als Laienrichter oder "Richter ohne Robe" bezeichnet. Es gibt sie nur im Strafrecht. Sie sind in erster Instanz bei Amts- und Landgerichten sowie in Berufungsverfahren beim Landgericht im Einsatz. Auch an Arbeits-, Wehrdienst- und Berufsgerichten gibt es ehrenamtliche Richter.

Je zwei Schöffen stehen je nach Gerichtsbarkeit einem, zwei oder drei Berufsrichtern zur Seite. Schöffe kann jeder werden, der bei Amtsantritt mindestens 25 und höchstens 69 Jahre alt ist. Auf die Bewerbung folgt ein Auswahlverfahren. Bezahlt werden die Laienrichter mit einer Aufwandsentschädigung, eine klassische Vergütung gibt es nicht.

Berufsrichter und Schöffen sind gleichgestellt. Die Ehrenamtler haben das gleiche Stimmrecht wie die Volljuristen. Wenn über Recht und Unrecht entschieden wird, darf sich ein Schöffe nicht enthalten. Er ist zur kammerinternen Abstimmung verpflichtet.

Magdeburg (dpa) l Durch drei riesige Fenster scheint die Sonne in den Raum. Die Tische sind zu einem großen "U" angeordnet, jeder Platz ist besetzt. Ein Projektor wirft das Thema "Beratung und Abstimmung über das Urteil" an die weiße Wand, einige Zuhörer sind entspannt, andere schreiben akribisch mit. War es Raub oder räuberische Erpressung? "Bei juristischen Bewertungen wie diesen müssen Sie den Juristen vertrauen", sagt Richter Christian Löffler. Und er mahnt: "Urteilen Sie niemals nach Bauchgefühl. Nur zu glauben, reicht nicht." Die 23 Männer und Frauen nicken eifrig. Einige notieren den Satz und unterstreichen ihn gleich doppelt.

Löffler hat an diesem Tag seine schwarze Richterrobe gegen einen grauen Anzug getauscht. Gemeinsam mit der Amtsrichterin Claudia Caspari führt er seit März in Magdeburg an elf Tagen rund 300 Schöffen in ihr Amt ein. "Das ist keine Juravorlesung", sagt der 46-Jährige, der im Moment als Zivilrichter arbeitet und 15 Jahre Erfahrung im Strafrecht hat. "Es geht um die Abläufe in einer Verhandlung und über Rechte und Pflichten." Die Schulung wird vom Land Sachsen-Anhalt angeboten und bezahlt - jeder Laienrichter darf einmal pro Amtszeit dabei sein. "Das ist so etwas wie der Anfängerkurs", sagt Löffler. Zwingend erforderlich ist die Teilnahme vor dem ersten Prozess aber nicht.

Dieter Gorges kennt das alles schon. Er ist ein alter Hase unter den Schöffen. Trotzdem hat er sich wieder für den Kurs "Fit fürs Schöffenamt" angemeldet. "Zur Auffrischung", sagt er. Der 67-jährige Halberstädter hat mehr als 20 Jahre Erfahrung als "Richter ohne Robe". Aufreibende Mord- und langwierige Drogenprozesse hat er schon erlebt, dazu einige Berufungsverhandlungen. "Ich bin eher der Analytiker", sagt der Diplom-Ingenieur. "Ein Typ für Gerechtigkeit." Es ist für ihn der letzte Kurs, denn ein Schöffe darf bei Amtsantritt nicht älter als 69 Jahre sein.

In der aktuellen Wahlperiode bis 2018 sind etwa 500 Schöffen in der Zuständigkeit des Landgerichts Magdeburg tätig, in ganz Sachsen-Anhalt sind es rund 2500. Deutschlandweit sind nach Angaben des Bundesverbands ehrenamtlicher Richterinnen und Richter in allen Gerichten mehr als 100 000 Schöffen im Dienst. Und das freiwillig. Ein Ehrenamt, das der Volkssouveränität in den Sälen der Amts- und Landgerichte Präsenz verleiht.

Oftmals als "Statisten" belächelt, wiegt die Verantwortung auf den Schöffenschultern schwer. Sie befragen Zeugen, beraten sich mit Richtern und wirken an Urteilen mit. "Ihre Stimme wiegt genauso viel wie die eines Berufsrichters", sagt Löffler. "Man ist während einer Amtszeit entweder Schöffe im Jugend- oder im Erwachsenenstrafrecht", so der Richter. Im Zivilrecht gebe es keine Schöffen. Das Auswahlverfahren ist aufwendig. Nachdem sich die Freiwilligen im Alter zwischen 25 und 69 Jahren bei den Kommunen beworben haben, entscheidet ein Wahlausschuss. Berufsgruppen wie Notare, Rechtsanwälte und Polizisten kommen in der Regel nicht infrage. Das gilt auch für Bewerber, die vorbestraft sind. Bis zu zwölfmal im Jahr können die Schöffen zu Prozessen gerufen werden. Zwischen zwei Amtszeiten soll laut Gesetz eine Pause liegen.

Auf dem Projektor liegt ein neues Blatt. Es geht um das Strafmaß und wie man es bemisst. Fragen wie "Was ist der Unterschied zwischen Mord und Totschlag?" stehen im Raum. Richter Löffler doziert - und bei einigen Schöffen flitzen wieder die Stifte über das Papier.