Halberstadt l Auf dem früheren Kasernengelände in Halberstadt wird fleißig gebaut. Ein weiterer Plattenbau, früher Unterkunft für Angehörige der Grenztruppen, soll zu einer schlichten, aber vorzeigbaren Wohneinrichtung für Flüchtlinge aus aller Welt umgebaut werden. Mitten auf dem Baustellenbetrieb lädt Rolf Harder, scheidender Leiter der Zentralen Anlaufstelle für Asylbewerber in Sachsen-Anhalt (ZASt), zu einer Abschiedsrunde ein.

Harder übergibt an seinen Nachfolger Eckhardt Stein ein Haus im Aufbruch. Noch vor sieben Jahren wurden Wohnbereiche "eingemottet" und mancher Mitarbeiter hatte schon Zukunftsängste. Seitdem steigen aber die Zahlen wieder - jedoch nicht so wie einst 1992. "Damals hatten wir hier fast 16000 Menschen im Jahresverlauf zu betreuen", erinnert sich Rolf Harder. Die Zustände waren schwierig. Die Folgen in der Stadt blieben nicht aus. Es gab einige Übergriffe auf Ausländer, die letzten den Behörden bekannt gewordenen liegen jetzt aber fast zehn Jahre zurück.

Seit 2007 sind die Asylbewerberzahlen wieder deutlich angewachsen. 2683 waren es im Jahr 2013. Angesichts der Lage in der Welt dürfte die Arbeit in der Einrichtung auch künftig nicht abreißen.

84 Mitarbeiter zählte die Einrichtung Anfang der 1990er Jahre, darunter allein 15 Beschäftigte im Braunkohle-Heizwerk. Die Bereiche Küche, Reinigung und Bewachung wurden dann privatisiert, die Heizung modernisiert. Wegen der veränderten Asylgesetze ging die Zahl der Antragsteller deutlich zurück.

"Der Bund ist gnadenlos mit der Quote", sagt Rolf Harder. Rund zwei Prozent aller Flüchtlinge in Deutschland muss Sachsen-Anhalt aufnehmen. Inzwischen zählt die Statistik fast 105000 Ausländer, die sich hier meldeten.

Die Entscheidungen werden nicht in der ZASt, sondern von den Mitarbeitern des Bundesamtes für Migration und Flüchtlingen getroffen. Die arbeiten gleich nebenan, im ehemaligen Stabsgebäude, was bei aufkommenden Fragen sehr praktisch ist. Mit der Aufnahme von mehreren Hundert Flüchtlingen aus Bosnien und dem Kosovo folgte 1999 nochmals eine Bewährungsprobe. Diese Hilfsaktion sorgte für mehr Akzeptanz bei der Bevölkerung der Stadt, für Spenden und sonstige Anteilnahme.

Rolf Harder liegen zwei Aufgaben besonders am Herzen: die Angebote für die Sprachförderung und die Betreuung der Jüngsten im einrichtungseigenen Kindergarten. Vor allem die Halberstädter Künstlerin Bärbel Herre, der "Motor" des Flüchtlingshilfevereins, organisiert regelmäßig Abwechslung für die Kinder. Dank der Caritas gibt es vor Ort auch eine Beratungsstelle für die Flüchtlinge.

Nach insgesamt 49 Berufsjahren ist Rolf Harder nun nicht mehr dabei. Er habe das Feld gut bestellt, bestätigen seine Weggefährten zum Abschied. Neben vielen Dingen, die in Haus und Garten bisher liegen blieben und auf Erledigung warten, wird es am Sonntag spannend, ob der SPD-Kandidat in den Wernigeröder Stadtrat einziehen kann.

Harders Nachfolger ist Eckhardt Stein. Der 51-Jährige hat bislang in Blankenburg Beamte ausgebildet.

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