Schönefeld (dpa/lg) l Fünf Flughäfen in Deutschland haben nach Ansicht der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) größere Sicherheitsmängel. Die schlechteste Bewertung ging an Memmingen, gefolgt von Zweibrücken, Lübeck, Weeze (Niederrhein) und Friedrichshafen. Bei allen fünf, die von der VC einen "Mangelstern" erhielten, handelt es sich um Regionalflughäfen, die zu einem Großteil von Billigfliegern genutzt werden. "Es ist klar, dass diese Flughäfen weniger einnehmen und es ihnen schwererfällt, Mängel zu beseitigen", sagte VC-Präsident Ilja Schulz am Mittwoch auf der Luftfahrtmesse ILA in Schönefeld bei Berlin.

Wenig besser als die genannten Flughäfen schnitt der Airport Magdeburg/Cochstedt ab. Die Experten bemängelten vor allem fehlende Beleuchtung der Landezonen. Auch gibt es in Cochstedt kein ATIS. Dieses automatische System unterstützt Piloten beim Instrumentenflug und gibt unter anderem Auskunft über Wetterverhältnisse. "Die Ansprüche von Cockpit sind sehr hoch zu bewerten", erklärt Jens Galkow vom Airport Cochstedt.

"Wir erfüllen zahlreiche Sicherheitsbedingungen, die andere kleine Airports nicht haben. Die aufgezählten Fakten sind nur als kleine Mängel zu betrachten." In Cochstedt ist man vielmehr mit dem Ergebnis zufrieden: "Wir wurden das dritte Mal in Folge als sicherer Airport eingeschätzt, das freut uns sehr."

Die festgestellten Defizite auf Landebahnen und Rollwegen erhöhten das Unfallrisiko, auch wenn die internationalen Sicherheitsvorschriften auf allen deutschen Flughäfen eingehalten würden, erläuterte der Flugkapitän. Die VC hob zugleich hervor, dass die Flughäfen angezeigte Mängel ernst nähmen und sich um ihre Beseitigung bemühten. So werde der Airport von Hannover, dem bislang ein Windsack fehlt, im kommenden Jahr mängelfrei sein.

Als besonderes Risiko sieht die Vereinigung Cockpit Rangiermanöver auf der Startbahn, weil parallele Rollwege zum Anfang der Bahn fehlen oder nicht nutzbar sind. Das sei in Lübeck, Memmingen und Zweibrücken der Fall und führte automatisch zu einem "Mangelstern". Häufig wurden wie auch in Cochstedt verkürzte Anflugbefeuerung, fehlende oder schlecht einsehbare Windsäcke sowie fehlende Leuchten auf den Rollwegen oder in der Landezone kritisiert.

Die Pilotengewerkschaft hat höhere Ansprüche als die gültigen weltweiten Regeln. So reichten die vorgeschriebenen 90 Meter Freifläche nach dem Ende einer Landebahn nicht aus, sagte VC-Vorstandsmitglied Martin Locher. Es müssten 240 Meter sein, um Schlimmeres zu verhindern, wenn ein Flugzeug über die Bahn hinausschieße. Das hätten mehrere Studien gezeigt.

Ganz ohne Mängel blieben von 30 untersuchten Standorten nur sechs: Leipzig/Halle, München, Berlin-Schönefeld, Stuttgart, Düsseldorf sowie erstmals Bremen.