Magdeburg l Mehr Bildungsprojekte an Sekundarschulen, Zusammenarbeit mit Beratungsstellen für Menschen mit psychosomatischen Problemen aufgrund ihrer Erfahrungen in der DDR und die stärkere Einbindung der Zeit der sowjetischen Besatzung bis zur Gründung der DDR - das sind einige Punkte, die in der Arbeit der Stasi-Unterlagenbehörde zukünftig stärkere Beachtung finden sollen. Am Freitag diskutierten Landtagsabgeordnete und Gäste im Ausschuss für Recht, Verfassung und Gleichstellung des Landtages Fragen der Neuorientierung der Behörde. Ab 2019 soll es in Sachsen-Anhalt nur noch eine Außenstelle der Bundesbehörde für Stasi-Unterlagen geben.

"Der Fokus geht zunehmend weg von der Staatssicherheit im engeren Sinn und wendet sich anderen Themen zu", sagte die Landesbeauftragte, Birgit Neumann-Becker. Die Klärung von Fragen der Rehabilitation sei noch längst nicht abgeschlossen. Dabei gehe es zum Beispiel um Betroffene, die in Heimen und Jugendwerkhöfen untergebracht waren. Aktuell werde das Thema der Pharmatests viel diskutiert.

Zu Gast im Ausschuss war auch der Bundesbeauftragte für die Stasiunterlagen, Roland Jahn. Nach seinen Angaben gab es in den bislang noch zwei Außenstellen in Sachsen-Anhalt 2013 etwa 8000 neue Anträge auf Akteneinsicht. Bis zum 1. Mai dieses Jahres waren es 3500 Anträge. Jahn: "Zwei Drittel dieser Anträge waren Erstanträge. Über zehn Prozent sind Anträge von Angehörigen von Verstorbenen. Das zeigt, das Interesse der jüngeren Genration an der DDR." Mit Blick auf die Neuausrichtung der Behörde forderte Jahn "veränderte Instrumente der Ansprache junger Menschen ohne eigene DDR-Erfahrung". Ein Besuch im Stasi-Archiv könne das aktuelle Thema des Datenmissbrauchs im Internet sehr anschaulich vor Augen führen. Jahn forderte mehr Kooperation von Vereinen und Initiativen, um DDR-Geschichte besser und effektiver vermitteln zu können.