Magdeburg l Fußball hat eine große Bedeutung in unserer Gesellschaft und entsprechend viel wird über ihn geschrieben. Während die Literatur zum Thema Fußballfans meist pädagogisch das Problem der Gewalt aufgreift, wurde der Zusammenhang von Fußball und Geschlecht bislang vernachlässigt.

Fußball ist keine reine Männersache mehr

Die Kulturwissenschaftlerin Almut Sülzle füllt diese Lücke und untersucht in ihrer Ethnographie erstmals die Männlichkeit der Fankultur und die Anwesenheit von Frauen im Stadion. Sie zeigt, dass Fußball zwar keine reine Männersache mehr ist, die Fankultur jedoch immer noch männlich dominiert wird. Dies gilt nicht nur zahlenmäßig, sondern auch kulturell: Die Regeln der Fußballfankultur sind männlich. Dennoch ist die Präsenz der weiblichen Fans unübersehbar. Wie positionieren sich die Frauen in diesem männlich konnotierten Feld?

Almut Sülzle untersucht in ihrer ethnographischen Studie das Verhalten von weiblichen Fans innerhalb der männlichen Regeln des Fußballkosmos. Drei Jahre lang hat sie im Fanblock der Offenbacher Kickers (OFC) geforscht, an Heimspielen und Auswärtsfahrten teilgenommen und Gespräche und Interviews mit den Fans geführt. In ihrem Buch rekonstruiert die Autorin die männliche Grammatik im Fanblock und porträtiert weibliche Fans, die einen gleichberechtigten Platz innerhalb der männlich geprägten Fankultur einfordern und dabei Sexismen ironisieren. Das Erstaunliche: Gerade die reflektierte Überbetonung von Männlichkeit im Fußballkosmos bietet Freiräume für weibliche Fans.

Der ethnographische Blick auf die Welt des Fußballs verwandelt diese in einen Gegenstand kritischer Wissenschaft und Geschlechterforschung. So erscheint die Fanszene einerseits als karnevaleske Sonderwelt, in der traditionelle Rollenklischees über Bord geworfen werden können, andererseits zeigt sich, dass der männliche Raum der Fankultur von Männern und Frauen gemeinsam hergestellt wird.

Dr. Almut Sülzle (Supervisorin und Kulturwissenschaftlerin) ist Mitarbeiterin des Archivs der Jugendkulturen in Berlin-Kreuzberg. Dort arbeitet sie an einer Verbundstudie zu Jugendkulturen, u.a. in Zusammenarbeit mit der Hochschule Magdeburg-Stendal. Sie hat in Tübingen Empirische Kulturwissenschaft und Erwachsenenpädagogik studiert. An der Universität Marburg promovierte sie mit einer Ethnographie über Fußballfans. Gemeinsam mit Antje Hagel und Nicole Selmer ist sie Mitbegründerin des Netzwerkes "Frauen im Fußball". Im Auftrag der UEFA forschte sie zu Diskursen zu Prostitution und Menschenhandel im Kontext der Uefa Euro 2012 in Polen und der Ukraine.

Vorfreude auf eine lebhafte Diskussion

Begleitet wird Almut Sülzle von der Fußballaktivistin Constanze Gülle. Constanze Gülle ist seit 2009 Fan von Tennis Borussia Berlin und spielt selbst aktiv Fußball beim DFC Kreuzberg, Berlin seit 2012. Durch ihr ehrenamtliches Engagement in dem selbstorganisierten Verein sowie durch die Mitgliedschaft im Netzwerk "Frauen im Fußball" setzt sie sich sowohl praktisch, als auch inhaltlich mit den Themen Sexismus und Homophobie im Fußball auseinander. Constanze Gülle studiert im Masterstudiengang Erziehungswissenschaften an der Humboldtuniversität zu Berlin.

Beide freuen sich im Anschluss an den Vortrag auf lebhafte Diskussionen.

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