Die Studie ist unter www.verbraucherschutz.sachsen-anhalt.de abrufbar.

Magdeburg l 16,6 Prozent der befragten Mütter von Kindern, die 2014 eingeschult werden, gaben zu, mit Babybauch geraucht zu haben. 1991 waren es 11,6 Prozent gewesen. Laut Studie spielt der Bildungsabschluss der Mütter eine große Rolle. Während nur 3,8 Prozent der Frauen mit hoher Bildung in der Schwangerschaft rauchten, waren es 34,8 Prozent bei jenen mit geringer Bildung.

"Das ist eine Zahl, die mich nachdenklich macht", sagte Minister Bischoff. Netzwerke aus Ärzten und Jugendämtern müssten im Sinne des Kinderschutzes auf die werdenden Mütter einwirken. Auch die Kitas seien als Eltern-Kind-Zentren gefragt.

Schadstoffe aus 3640 Zigaretten

In Deutschland rauchen schätzungsweise 30 Prozent der Frauen zu Beginn der Schwangerschaft. Die Hälfte von ihnen schafft es, im Laufe der Monate die Finger von der Zigarette zu lassen.

Der Rauch einer Zigarette enthält 4000 teilweise giftige und krebserregende Chemikalien. Wissenschaftler schätzen, dass schwangere Raucherinnen im Durchschnitt 13 Zigaretten täglich konsumieren. Über neun Monate verteilt bekommen Babys somit Schadstoffe aus 3640 Zigaretten ab.

Nach Angaben der Deutschen Krebsgesellschaft werden bis zu 40 Prozent aller Mangelgeburten und 14 Prozent aller Frühgeburten durch Rauchen in der Schwangerschaft verursacht. Darauf ist hauptsächlich auch der plötzliche Kindstod zurückzuführen.

Raucherkinder mit höherem Gesundheitsrisiko

Experten gehen davon aus, dass in Deutschland jedes fünfte Kind bereits im Mutterleib durch Tabakrauch gefährdet ist. Die Mütter sind auch zunehmend entscheidend, wenn es darum geht, ob in der Wohnung eine Zigarette angezündet wird. Immerhin: Es wird immer weniger in Wohnungen geraucht, in denen auch Kinder lebten (1991: 58 Prozent, 2014: 14 Prozent). Wenn zur Zigarette gegriffen wird, sind es mit 73 Prozent die Mütter; die Väter folgen mit 46 Prozent. 1994 rauchten noch mehr Väter in der Wohnung als Mütter.

Kinder, die in einem Raucherhaushalt leben, sind nachweislich einem höheren Risiko für akute und chronische Atemwegssymptome (chronischer Husten, pfeifende Atemgeräusche) ausgesetzt. Auch Bronchitis, Asthma und Mittelohrentzündungen stehen in direktem Zusammenhang mit einer Passivrauchbelastung.

Die Umweltfaktoren, die Eltern nicht beeinflussen können - wie weniger Industrieabgase und reinere Luft -, wirkten sich laut Studie seit 1991 positiv auf die Atemwege der Kinder aus. Bronchitis und Lungenentzündung sind auf dem Rückzug.

Zahl der allergischen Erkrankungen sinkt

Die Kinder, die vor ihrer Einschulung untersucht wurden, leiden inzwischen auch wieder seltener unter allergischen Erkrankungen wie Ekzemen oder Neurodermitis. Bis 1999 war der Anteil der Betroffenen noch gestiegen - bis auf 22 Prozent. Inzwischen ist der Studie zufolge mit 16,5 Prozent wieder das Niveau von 1991 erreicht.

Für die Langzeitstudie zur Kindergesundheit waren seit 1991 Daten von fast 39000 Kindern erfasst worden. Der Bericht ist ein Kooperationswerk des Landesamtes für Verbraucherschutz mit Gesundheitsämtern in Landkreisen und Städten.