Magdeburg l Die Spielhallen-Betreiber in Sachsen-Anhalt fürchten um ihre Geschäfte. Rund 1000 Jobs sollen bedroht sein, weil das Land Vorschriften verschärft hat und Spieler zunehmend illegale Angebote im Internet nutzen.

286 Spielhallen gibt es derzeit in Sachsen-Anhalt. Ihre Zahl könnte sich nach Angaben des Verbands der Automatenkaufleute in den kommenden Jahren reduzieren. "Das Land hat die Vorschriften so stark verschärft, dass viele Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen", warnt Verbandschef Thomas Breitkopf. Derzeit sind landesweit etwa 1000 Mitarbeiter in Spielhallen beschäftigt.

Mindestabstand schädigt die Geschäfte

Das Land hatte unter anderem wegen der wachsenden Zahl von Spielsüchtigen im Jahr 2012 das Spielhallengesetz verschärft.

So müssen Glücksspielbetreiber seither zum Beispiel Ausweiskontrollen durchführen, dürfen keine Bankautomaten mehr aufstellen und Kredite an Kunden gewähren. Ferner sind sie verpflichtet, Infomaterialien zu Suchtrisiken und Therapiemöglichkeiten auszulegen. Für Breitkopf sind diese Verschärfungen noch nachvollziehbar.

Geschäftsschädigend würden sich aber zwei weitere Vorgaben auswirken: So muss zwischen zwei Spielhallen ein Mindestabstand von 200 Metern bestehen. Zudem darf ein Spielhallenbetreiber nur noch über eine Konzession verfügen."Die Vorschriften beschränken die Angebote", erklärt Breitkopf.

Pro Konzession darf ein Betreiber nur zwölf Geräte aufstellen. Hatte er vorher mehrere Konzessionen, muss er sich nun einschränken und damit Umsatzeinbußen hinnehmen.

Laut Breitkopf macht ein Anbieter pro Gerät einen Umsatz von etwa 1300 Euro im Monat. Steuern und Betriebskosten sind dabei noch nicht erfasst. "Die Regelungen verdrängen Spielhallen vom Markt", sagt Breitkopf. Sie könnten so den Spielern keine attraktiven Angebote mehr machen. Und die Konkurrenz lauere im Internet. Der Glücksspielmarkt dort ist bislang von Anbietern dominiert, die ihren Sitz im Ausland haben - weil die meisten Bundesländer bislang keine Konzessionen an Anbieter vergeben haben.

Milliarden-Geschäft für ausländische Anbieter

Breitkopf ist darüber verärgert, denn der Online-Markt wachse rasant. Genaue Zahlen nennt der Verbandschef zwar nicht, verweist aber auf Schleswig-Holstein. Dort hat die Landesregierung im Alleingang auch Konzessionen für Online-Angebote erteilt und der Glücksspielbranche etwa vier Milliarden Euro zusätzlichen Umsatz beschert. Breitkopf fordert deshalb: "Andere Länder wie Sachsen-Anhalt sollten deutschen Glücksspielanbietern ebenfalls solche Konzessionen anbieten, denn andernfalls fließen die Milliardensummen weiterhin ins Ausland." Das Wirtschaftsministerium in Sachsen-Anhalt nimmt die Kritik der Spielhallen-Branche jedoch gelassen hin. "Unser Spielhallengesetz ist im Ländervergleich nicht besonders restriktiv", erklärt Sprecher Robin Baake.

Der vom Verband monierte Mindestabstand zwischen zwei Spielhallen falle in Sachsen-Anhalt mit 200 Metern geringer aus als in den Nachbarbundesländern. Brandenburg und Thüringen schreiben 500 Meter vor, Sachsen 250 Meter. Lediglich in Niedersachsen beträgt er 100 Meter.

Politisch dürfte es die Glücksspielbranche schwer haben, gelockerte Vorschriften durchzusetzen - zumal Spielsucht in Sachsen-Anhalt eher zu- als abnimmt. Die 32 Beratungsstellen im Land verzeichnen seit Jahren einen steigenden Zulauf. 2012 suchten 335 Menschen Hilfe - mehr als zweimal so viel wie fünf Jahre zuvor.

Insgesamt gibt es laut einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) rund 15.000 Spielsüchtige in Sachsen-Anhalt. Und: Die meisten Abhängigen sind Automatenspieler. Zuletzt machten sie 285 der 335 Hilfesuchenden aus. Zudem waren 138 von ihnen zwischen 18 und 35 Jahre alt.