Wenn unter Fußballern vom "Golden Goal" die Rede ist, denkt jeder an den 2:1-Sieg der deutschen Nationalmannschaft im EM-Finale 1996 in London. Dem heutigen Manager Oliver Bierhoff gelang in der 95. Minute das entscheidende Tor gegen Tschechien.

Dabei gab es, was längst in Vergessenheit geraten ist, ein bedeutendes "Golden Goal" schon viel früher. Und das fiel auf den Tag genau vor 100 Jahren in Magdeburg, wenige Monate vor Ausbruch des ersten Weltkrieges. Auf dem Victoria-Platz, wo heute die MDCC-Arena steht, fand am 31. Mai 1914 zwischen der Spielvereinigung Fürth und dem VfB Leipzig vor 6000 Zuschauern das längste und zugleich dramatischste Endspiel um die deutsche Meisterschaft statt. Die Franken siegten schließlich durch ein Tor von Karl Franz in der 154. (!) Minute der Verlängerung mit 3:2.Die normale Spieldauer betrug damals wie heute zweimal 45 Minuten. Bei Gleichstand gab es, ebenfalls noch gültig, zweimal 15 Minuten Verlängerung. Doch dann besagten die Regeln, dass bei weiterhin unentschiedenem Spielstand die Partie in Abständen von je zehn Minuten so lange fortgesetzt werden musste, bis ein Tor fiel. Bei der vierten zehnminütigen Verlängerung erzielte Franz dann das 3:2.

Bei der Ehrung zwei Monate später im Fürther Geismannsaal wurde laut Vereins-chronik das Lied "Es war in Schöneberg" kurzerhand umgetextet: "Es war in Magdeburg im Monat Mai - die Spielvereinigung war auch dabei - sie schlug die Leipziger mit 3:2 - und bracht´ die Meisterschaft nach Fürth herbei."