Dessau-Roßlau (dpa) l Rund zweieinhalb Jahre nach dem gewaltsamen Tod eines 39 Jahre alten Münchners in einem Wald an der Autobahn 9 in Sachsen-Anhalt wird am morgigen Dienstag das Urteil gegen fünf Angeklagte erwartet. Die 2. große Strafkammer am Landgericht Dessau-Roßlau hatte das Verfahren im Januar 2013 wegen Mordes aus Habgier eröffnet.

Nach mehr als 70 Prozesstagen hatte die Staatsanwaltschaft auf lebenslange sowie langjährige Haftstrafen plädiert. Die Männer im Alter von heute 22 bis 35 Jahren sollten wegen Raubes mit Todesfolge und erpresserischen Menschenhandels verurteilt werden. Die Verteidigung sieht den Mordvorwurf indes nicht als erwiesen an und forderte teils mehrjährige Haftstrafen, wie ein Gerichtssprecher mitteilte.

Die Männer überwältigten laut Anklage ihr Opfer am Abend des 9. Januar 2012 an der A 9 (Berlin-München) auf dem Parkplatz "Rosselquelle", als der Mann von der Toilette kam. Dann fesselten sie ihn. Schließlich sollen sie ihn in einen Wald zwischen Coswig und Dessau-Roßlau verschleppt und zu Tode geprügelt haben. Die Angeklagten waren nach Ansicht der Ermittler auf die Geldkarten ihres Opfers samt Geheimzahl aus.

Ähnlicher Fall in Brandenburg verweist auf Täter

Erst am 15. Januar 2012 wurde der Mann tot in einem Transporter in dem unwegsamen Gelände entdeckt. Laut Obduktion erlitt er massive Schläge und starb an einer Lungenfett-Embolie. Auf die Spur der Angeklagten kamen die Ermittler unter anderem über Überwachungsbilder von Bankautomaten und aufgrund eines ähnlichen Falls aus Brandenburg. Das dortige Opfer habe die Tat überlebt, hieß es. Den Angaben zufolge kauften die Angeklagten mit den Karten des Münchners für 4000 Euro ein, unter anderem Turnschuhe und Kaffee.

Die Eltern und zwei Brüder des Mannes sind in dem Dessauer Prozess Nebenkläger. Ihren Angaben zufolge war der 39-jährige Informatiker mit einem Umzugstransporter von München aus aufgebrochen, um bei den Eltern in der Nähe von Hamburg seine Sachen unterzustellen. Er wollte für längere Zeit nach Asien. Die Angeklagten sind dem Gerichtssprecher zufolge teils in Deutschland, teils in Litauen mehrfach strafrechtlich aufgefallen.