Thale l Bei strahlendem Sonnenschein erlebte am Sonnabend die Operette "Gräfin Mariza" von Emmerich Kálmán die erste Musiktheaterpremiere der diesjährigen Saison im Bergtheater Thale. Eine kammerspielartige Inszenierung, die auch 90 Jahre nach der Uraufführung ihre Vitalität erwies.

Denn Regisseur Werner Pichler und seine Dramaturgin Susanne Range hatten für die Aufführung des Werkes alles eingedampft, was zum Verständnis nicht unbedingt nötig schien. In erster Linie die Zigeuner-Romantik auf dem Schloss der ungarischen Gräfin Mariza (Annabelle Pichler). Es gab kein Ballett. Der romantische Geigenschmelz kam aus dem Orchestergraben. Etwa für die Prophezeiungen der jungen Zigeunerin Manja (Amrei Wasikowski), die der Gräfin vorhersagt, sie werde sich in einen jungen Adeligen verlieben. Florian Kießling, neu engagierter Korrepetitor mit Dirigierverpflichtung, stand erstmals dem Orchester vor und erfüllte diese Aufgabe mit Bravour.

Die Gräfin ist unendlich reich und spielt und singt ihre Rolle mit Charme und Verstand. Ihr Verwalter Tassilo Endrödy-Wittemburg (Xiaotong Han) ist ein verarmter adeliger Bankrotteur, der mit Klugheit und Umsicht das Gut zu wirtschaftlichem Erfolg führt. Immer noch schwärmt er mit tenoralem Stimmenglanz von seinen Zeiten als fescher Reiteroffizier in der k.u.k.-Metropole: "Grüß mir die süßen, die reizenden Frauen im schönen Wien!"

Mariza sehen und sich in sie verlieben - das ist eins! Aber man sieht schon am Kostüm der Gräfin, wer hier die Hosen anhat. Sie hat per Zeitung ihre fiktive Verlobung mit dem Großschweinezüchter "Koloman Zsupán" angekündigt - eine Fantasiegestalt aus dem Operettenreich - aus dem "Zigeunerbaron".

Dumm nur, dass ein realer Gutsbesitzer Zsupán (herrlich komödiantisch Tobias Amadeus Schöner) aus Varasdin auftaucht. Ein etwas närrisch derber junger Herr, der sowohl Mariza wie auch Lisa (Runette Botha), der liebreizend-heiteren Schwester Tassilos, seine Avancen macht. Mit ein und demselben Blumenstrauß. Bei ihm reimt sich "Fee" auf "Plattensee" und "Leidenschaft" auf "Gulaschsaft".

Er blitzt bei der tüchtigen Gräfin ab. Während ihre Gästeschar ins Wiener "Tabarin" umzieht, wird sie im Gärtner-Kostüm auf ihrem Gut bleiben, die Bücher prüfen, Tomaten ernten und die vier Wochen verstreichen lassen. Hier gibt es ja keinen Edelmann, der ihr zu nahe kommen könnte. Denkt sie - und nervt ihren liebeskranken adeligen Verwalter an der langen Leine durch Kühle und seinen Nebenbuhler Fürst Dragomir Populescu (den Erzkomödianten Norbert Zilz) mit Erntearbeit.

Natürlich findet sich am Ende der 120-minütigen Schau Herz zu Herz und Geld zu Geld. Für Populescu und Tassilo taucht wie ein deus ex machina in Abänderung des Libretto-Namens die herrlich sächselnde Fürstin Cuddenstein zu Meißen (Edith Jeschke) auf. Als superreiche Erbtante Tassilos hat sie all seine Erbschaften zurückgekauft und schenkt sie ihm. Bei der Gelegenheit trifft sie den Grafen wieder, ihren verloren geglaubten ehemaligen Liebhaber. So geht`s, wenn man noch kein Facebook zu Recherchen hatte.

Ende gut - alles gut mit dieser heiteren Kost im Bergtheater.