Magdeburg l Legen sich Verkehrsüberwacher bewusst auf die Lauer, um Falschparker abzustrafen? Die Antwort lautet: Ja und nein. Grundsätzlich gelte erst einmal die Devise: "Wenn die Möglichkeit besteht, werden potenzielle Parksünder angesprochen und befragt." Sie bekämen so die Chance auf eine Ermahnung, sagt Magdeburgs Ordnungsdienstchef Gerd vom Baur.

Hintergrund ist eine Schilderung unseres Lesers Herrn Priegnitz. Er hatte vor wenigen Tagen von der Haltestelle am Allee-Center aus beobachtet, wie zwei Politessen (offizielle Bezeichnung: Verkehrsüberwacher/-innen) Knöllchen an zwei Autos hefteten, die rechtswidrig auf Taxistellplätzen geparkt waren. "Dass die Fahrer ihre Strafe bekommen, ist ja auch völlig richtig", urteilte der Leser.

Was er aber nicht verstand: Kaum waren die beiden Verkehrsüberwacher auf dem Rückzug, näherte sich ein weiterer Autofahrer, der in die dritte Taxinische einparken wollte. Er bemerkte die Politessen offenbar nicht. "Die versteckten sich auch ganz schnell hinter einem Baum und ließen den Autofahrer direkt in die Falle tappen", so schildert der Magdeburger seine Beobachtung. Er habe gedacht, die Politessen sollten auch erzieherisch wirken und nicht Leute "einfach nur abkassieren".

Was sagt Ordnungsdienstchef Gerd vom Baur zu dem Vorwurf? Er habe den Fall geprüft, erklärt er auf Nachfrage. Die Schilderung sei für ihn allerdings nicht nachvollziehbar. "Wir hatten dort an dem Tag in kurzer Zeit nur zwei Erfassungen", sagt vom Baur, der sich den geschilderten Ablauf nicht erklären kann. Doch auch ganz unabhängig von diesem Fall stellt sich die Grundsatzfrage: Wie gezielt lauern Verkehrsüberwacher potenziellen Falschparkern auf?

Ein Kopfgeld gebe es nicht und es dürfen auch nur ausgewählte Verkehrsüberwacher Verwarngelder direkt vor Ort abkassieren, stellt die Ordnungsbehörde klar. "Die Verkehrsüberwacher sind angehalten, Kraftfahrer anzusprechen und zu fragen, warum Sie sich zum Beispiel auf einen Behindertenparkplatz gestellt oder keinen Parkschein gezogen haben", so vom Baur. Manchmal seien die Argumente des Fahrers berechtigt. Häufig kämen Ausreden wie: "Ich wollte nur mal kurz ins Geschäft".

Oft bliebe es bei einer mündlichen Verwarnung und dem Hinweis, man möge umgehend einen Parkschein lösen. Doch die Frage des erzieherischen Aspekts habe "auch ihre Grenzen", findet der Leiter des Stadtordnungsdienstes. Bei Wiederholungstätern etwa und in Fällen, wo systematisch geschummelt werde: "Nehmen wir das Bürogebäude, wo per Buschfunk verbreitet wird, wann die Politessen anrücken und dann noch schnell Tickets gelöst werden. Mit dem SMS-Parken wird das jetzt noch einfacher", so vom Baur.

Dauer-Brennpunkte seien zudem Magistralen wie die Halberstädter Straße oder Bereiche vor Schulen. "Da heißt es immer ,wir wollten doch nur zwei, drei Minuten ...`", berichtet vom Baur. Reden helfe da oft nicht mehr. In derlei systematischen und Wiederholungsfällen "sehen wir das auch sportlich", meint vom Baur. So lege man sich in begründeten Fällen schon mal auf die Lauer oder gehe in Zivil, um nicht erkannt zu werden.