Magdeburg l Schon jetzt verlieren sich die wenigen Schüler im Schulgebäude von Cobbelsdorf bei Wittenberg. Verstärkung ist nicht in Sicht: Nur fünf Schulanfänger sind für den Sommer angemeldet. Eine erste Klasse gibt es deshalb nicht, ebenso wenig wie schon im vergangenen Jahr.

Nach den Ferien werden deshalb nur noch 15 Schüler in Cobbelsdorf unterrichtet. Das widerspricht allen Vorgaben des Kultusministeriums - doch die Lokalpolitiker der Stadt Coswig wollen ihrem Ortsteil die Schule um jeden Preis erhalten.

Einstimmig, mit 26 Nein-Stimmen, hat der Stadtrat gerade die Schließung der Schule abgelehnt. Die einzige Enthaltung kam von Bürgermeisterin Doris Berlin - nicht, weil sie anderer Meinung wäre, sondern weil sie sich an geltendes Recht gebunden sieht.

Wie die Gallier

Das Kultusministerium blickt ratlos auf die hartnäckigen Schul-Verteidiger. Zwei ähnliche Fälle gibt es in Schköna (ebenfalls Landkreis Wittenberg) und Estedt (Altmarkkreis Salzwedel). "Hier besteht noch Handlungsbedarf durch die Schulträger. Diese Schulen sind in der Schulentwicklungsplanung nicht bestätigt und erhalten auch keine Anfangsklassen", sagt Karina Kunze vom Kultusministerium.

Allerdings: Wenn die Kommunen die Vorgaben aus Magdeburg ignorieren, gibt es offenbar keinen Weg, die Einhaltung zu erzwingen. "Wir können keine Schule schließen, das kann nur der Träger selbst, also die Kommune", hatte das Landesschulamt bereits in der vergangenen Woche festgestellt.

Die Stadt Coswig berichtet von politischem Druck. Für nur noch 15 Schüler wolle das Land keine Lehrkraft mehr zur Verfügung stellen, hat die Schulverwaltung der Stadt in einer Sitzungsvorlage für die Ratspolitiker notiert. Ob es dazu kommt, ist fraglich. In den meisten Fällen haben die neuen Mindestschülerzahlen so funktioniert wie von Minister Dorgerloh beabsichtigt.

Zu viele kleine Schulen

Im März hatte das Kultusministerium mit 41 Schulen gerechnet, die in diesem Sommer schließen. Jetzt, Stand 2. Juni, ist die Liste mit 32 Schulen etwas kürzer und noch immer vorläufig. Eingerechnet sind auch fünf Standorte, die als selbstständige Einrichtung verschwinden, aber als Außenstelle einer anderen Schule weitergeführt werden. Für Harsleben (Landkreis Harz), Rochau und Wust (Stendal) sind die Genehmigungen bereits verschickt. Neu Königsaue (Salzlandkreis) und Hillersleben (Börde) könnten folgen. "Das Landesschulamt steht dort einer Außenstellenlösung positiv gegenüber", sagt Ministeriumssprecherin Kunze.

Kultusminister Dorgerloh erwartet, dass bis 2017 rund 40 Schulen geschlossen werden, weit weniger als erwartet. "Der Anteil kleiner Schulen im Land ist auch künftig unglaublich hoch, aber das ist auch okay so", sagte er der Mitteldeutschen Zeitung.

Die Initiative "Grundschulen vor Ort" bezweifelt diese Zahlen. "Nach gültiger Schulentwicklungsplanung sind es bis 2018 91 Schulen. Dorgerloh muss jetzt sagen, ob das noch stimmt", fordert Sprecher Walter Helbling.