Burg l Zwei Wochen nach der Gasexplosion in einem Mehrfamilienhaus an der Lüdersdofer Straße in Burg, bei der ein Mieter tödlich verletzt worden war, ermittelt die Polizei nach wie vor im Umfeld des Opfers. Auch 14 Tage nach den Ereignissen hat Uwe K., der den Verunglückten noch lebend aus seiner Wohnung retten konnte, mit den Bildern jenes Abends zu kämpfen.

Uwe K. weiß, dass er sich ewig Vorwürfe gemacht hätte, wenn er es nicht getan hätte. Uwe K. ist der tragische Held der Explosion an der Lüdersdorfer Straße 13. Nachdem eine Gasexplosion einen Wohnungsbrand ausgelöst hatte, ist der 52-Jährige der erste vor Ort. "Das war doch ganz schön gefährlich, was ich gemacht habe", sagt der Burger.

Er ist unterwegs zu seinem Vater, der an der Lüdersdorfer Straße wohnt, um ihm eine Leiter zubringen. Als er an der Nummer 13 vorbeikommt, hört er einen Knall. "Es hat laut gerumst", erinnert er sich. Als er von seinem Vater zurückkommt, sieht er den Qualm, der aus dem Fenster im ersten Stock kommt. Er hört ein Wimmern, das aus dem Inneren des Hauses kommt.

Hinter der Tür züngeln die Flammen

"Ich habe mit beiden Händen die Klingeln an der Haustür gedrückt, damit jemand aufmacht. Als die Tür aufging, bin ich schnurstracks die Treppe rauf", sagt Uwe K.

Unten im Flur ist von dem Brand im ersten Stock noch nichts zu merken, erinnert er sich. Eine Etage weiter oben bleibt er vor der Tür stehen, hinter der die Flammen lodern. "Ich habe die Tür aufgetreten. Alles war verqualmt."

Dann ruft Uwe K. laut. Was und wie, weiß er nicht mehr. Seine Schreie könnten es gewesen sein, die die Nachbarn nach dem Knall aus den Wohnungen trieben.

Erika Lüders hatte den Knall und laute Schreie gehört, den Qualm am Fenster auf dem Hof gesehen und die Feuerwehr verständigt.

Kriechend aus der Wohnung entkommen

Währenddessen blickt Uwe K. suchend in den Qualm. Der 58 Jahre alte Mieter der Wohnung kommt auf den Ersthelfer zugekrochen. "So wie er das noch konnte." Uwe K. möchte sich nicht an den Anblick des Brandopfers erinnern. "Das Bild im Kopf werde ich so schnell nicht wieder los", sagt er.

Er zieht den Mieter in den Flur. "Weiter hätte ich nicht geschafft." Als schwer und groß kann er den Mann beschreiben. Er ist noch ansprechbar, als Uwe K. ihn aus dem Qualm holt. Uwe K. geht wieder nach unten.

Mittlerweile ist vor dem Haus alles abgesperrt. "Ich habe den Feuerwehrleuten erzählt, dass oben noch jemand ist. Mit schweren Verbrennungen." Dann ist Uwe K. nicht mehr der Retter, sondern selbst Patient. Mit einer Rauchgasvergiftung kommt er ins Krankenhaus. Muss über Nacht drin bleiben.

Seine Frau holt ihn am nächsten Morgen wieder ab. Sie macht ihm keine Vorwürfe, dass er helfen wollte und sich selbst in Gefahr gebracht hat. "Das ist selbstverständlich", sagt sie.

Die Ehefrau ist es auch, die Uwe K. erzählt, dass der Mann, den er retten wollte, verstorben ist. Die Nachricht sollte er nicht aus dem Radio hören. "Das hat mich mitgenommen", sagt er leise. Als er Uwe K. vom Verdacht eines Suizids hört, kann er nur schlucken. "Das muss ich so hinnehmen", sagt er. "Aber ich würde es immer wieder so machen."