Magdeburg l Acht Monate nach Bekanntwerden der Ermittlungen gegen Geschäftsführer Arnfried B. wegen des Besitzes von Kinderporno-Dateien steht auch die Landesstelle Kinder- und Jugendschutz vor dem Aus. Nach monatelangen Querelen um eine Neuausrichtung des Kinder- und Jugendschutzes in Sachsen-Anhalt zog das Sozialministerium in der vergangenen Woche die Reißleine.

Die Grundförderung der Stelle von derzeit rund 110.000 Euro pro Jahr laufe Ende 2014 aus, teilte ein Sprecher mit. An ihre Stelle soll ab 2015 der Jugendmedienverband fjp media treten. Dieser plant ein Kompetenzzentrum Jugendmedienschutz.

"Von Facebook bis Smartphones bestimmen Medien mittlerweile das Leben unserer Kinder und Jugendlichen. Viele Eltern und Pädagogen sind unsicher, wie sie damit umgehen sollen", sagte fjp media-Bildungsreferent Olaf Schütte der Volksstimme. Auch andere Themen des Kinder- und Jugendschutzes wie Mobbing, Gewalt und Sexualität seien zunehmend mit Medien verknüpft, so Schütte. In den kommenden Wochen wollen Verband und Ministerium über die weitere Zusammenarbeit sprechen. Die Zukunft der insgesamt fünf Mitarbeiter der Landesstelle in Magdeburg und Halle ist damit ungewiss.

Staatsanwaltschaft muss tausende Dateien sichten

Scharfe Kritik an der Entscheidung des Sozialministeriums kommt von der Linken und vom Trägerverein der Landesstelle selbst. "Durch den Trägerwechsel wird die fachliche Expertise auseinandergerissen. Das werden wir nicht unkommentiert hinnehmen", sagte die stellvertretende Vorsitzende Andrea Wegner vom Deutschen Kinderschutzbund.

Monika Hohmann, jugendpolitische Sprecherin der Linken, fürchtet die Vernachlässigung anderer Jugendschutzthemen wie Schulden- und Suchtprävention. "Da will die Landesregierung Geld einsparen", ist Hohmann sicher.

Ihre Fraktion berät nun, ob sie im Landtag einen Antrag gegen das Ende der Landesstellen-Förderung stellt. Deren Ex-Geschäftsführer Arnfried B. soll tausende Dateien mit kinderpornografischem Material gesammelt und weiterverbreitet haben.

Die Staatsanwaltschaft Halle ermittelt seit September 2013 und sei immer noch bei der Sichtung des umfangreichen Beweismaterials, sagte ein Sprecher der Volksstimme. Arnfried B. hatte die Vorwürfe damals eingeräumt. Dass ein wichtiger Jugendschützer selbst zum Täter wurde, hatte landesweit für Bestürzung gesorgt. Meinung