Hier ist noch Geld zu holen

Tipp 1: Die Internetseite der Stiftung Warentest aufrufen und Zinsvergleich herunterladen (kostet 2 Euro). Da Tagesgeldkonten fast nichts mehr bringen, sind Festgeldkonten interessant. Unter "www. test.de/festgeld" können Sie täglich nachschauen, bei welcher Bank es das meiste gibt.

Stand am Mittwoch:
Für 1 Jahr fest: 1,7 Prozent (Tendenz für die nächsten Tage: 1,5-1,6%)
Zwei Jahre fest: 1,9 % (Tendenz: 1,8%)
Drei Jahre fest: 2,2 % (Tendenz: 2,0%)

Tipp 2: Zwei bis drei Monatsgehälter auf dem Tagesgeldkonto lassen, um bei plötzlichen Ausgaben flüssig zu sein.

Tipp 3: Spargeld auf verschiedene Laufzeiten splitten, da man nicht weiß, wie sich die ZInsen entwickeln. Fachleute empfehlen maximal drei Jahre.

Tipp 4: Immobilienzinsen sind derzeit sehr niedrig. Haus kaufen oder bauen ist interessant. Aber Experten raten zur Vorsicht: Die monatliche Rate an die Bank sollte deutlich niedriger sein als die monatliche Miete. Denn: Für die kaputte Heizung, den blätternden Außenputz oder die Außenanlage müssen Sie als Eigentümer nun selbst voll aufkommen. Wer sich 800 Euro Miete gerade so leisten kann, sollte sich nicht eine Darlehensrate von 800 Euro aufhalsen.

Magdeburg l Finanzexperten gehen davon aus, dass die Europäische Zentralbank (EZB) am heutigen Donnerstag wegen schwacher Wirtschaftsdaten erneut eine Zinssenkung verkündet. "Wir rechnen damit, dass der Leitzins von 0,25 auf 0,1 Prozent sinkt", sagte NordLB-Chefvolkswirt Torsten Windel der Volksstimme.

Zu diesem Zinssatz borgen sich die Banken das Geld bei der EZB. Für den Kunden heißt das: Die Sparzinsen auf Tagesgeldkonten rauschen gegen null. Es könnte sogar noch schlimmer kommen, wenn die Zinsen ins Negative drehen. Das hieße: Kunden müssten auf ihre Einlagen sogar noch Geld zahlen anstatt Zinsen zu bekommen.

Experten glauben aber nicht, dass es so weit kommt. "Die Banken werden davor zurückscheuen, von ihren Kunden Negativzinsen zu verlangen." Die Magdeburger Commerzbank hat das gestern schon ausgeschlossen. Windel hält es aber für möglich, dass Banken ihre Kontogebühren erhöhen. "Die würden sich dann wie Negativzinsen auswirken."

Erleichtert wird die Lage etwas durch die niedrige Inflation von etwa 0,5 Prozent. Dennoch frisst die Teuerung das Ersparte auf vielen Konten auf. Gibt es noch Alternativen? Ja, sagt die Stiftung Warentest in Berlin. Die Finanzfachleute dort rechnen damit, dass die besten Direktbanken auch nach der erneuten Zinssenkung noch 1,5 bis 1,6 Prozent für einjähriges Festgeld bieten. Gestern lag der Spitzensatz bei 1,7 Prozent. "Für dreijährige Anlagen dürfte auch künftig eine Zwei vor dem Komma möglich sein", sagte Finanztester Uwe Döhler.

Die aktuellen Zinsen sind im Internet auf der Seite der Stiftung Warentest abrufbar. Die Experten empfehlen nur Banken aus finanzstarken Ländern und mit einer Absicherung bis 100.000 Euro. Dazu zählen vor allem deutsche, niederländische und österreichische Institute. Döhler rät, sich schnell zu entscheiden. Denn: Ehe alle Häuser auf die EZB reagieren, kann es ein paar Tage dauern. Wer heute für zwei Jahre fest anlegt, hat sich den vereinbarten Zinssatz auch für zwei Jahre gesichert.

Schub für die Wirtschaft


Zwei bis drei Monatsgehälter sollten für Notfälle aber auf dem Tagesgeldkonto bleiben, rät Döhler. Trotz mickrigster Zinsen. "Denn noch teurer würde es, wenn man wegen eines neuen Kühlschranks einen Kredit aufnehmen muss."

Banker gehen davon aus, dass die EZB vor allem wegen des europaweit schwachen Wachstums die Zinsen senken will. Banken sollen dadurch einen Anreiz erhalten, Geld in die Wirtschaft zu pumpen anstatt es bei der EZB auf die hohe Kante zu legen. "Niedrigere Zinsen könnten auch dazu führen, dass der Euro an Wert verliert und die Wirtschaft dadurch mehr Waren ins Ausland exportieren kann", so Windel.

Kritik an der Nullzinspolitik übte hingegen Deutschlands oberster Sparkassen-Chef Georg Fahrenschon. "Dauerhaft niedrige Zinsen - das beschädigt die Sparkultur und vernichtet Vermögenswerte." Die EZB müsse erkennen, dass sie mit ihrer Politik des billigen Geldes am Ende ihrer Möglichkeiten angekommen sei. Seiten 4 und 6