Magdeburg l "Betreten verboten!" hieß es bisher formell auch für die Vertreter des Vereins Kristallpalast Magdeburg. Seit drei Jahren kämpft dieser für die Rettung der vom Verfall gezeichneten Ruine des früheren Ball- und Varietéhauses. Zu ihrer erfolgreichsten Veranstaltungsreihe "Kristallpalast ganz groß" strömten einst die Magdeburger. Hier spielte der Komiker Paul Beckers das Magdeburger Original "Fliegentuten-Heinrich", einen stadtbekannten Händler. Und hier hatten bis zur Sperrung 1986 die Kugelblitze ihre Spielstätte.

Seit seiner Gründung vor drei Jahren kämpft der Verein nun für die Rettung des Denkmals und bestenfalls Wiederbelebung als Kulturzentrum, was einen Kauf voraussetzen würde. Doch der Eigentümer, eine Erbengemeinschaft aus dem Raum Berlin, blockte alle Bemühungen ab. Die Alteigentümer verfolgten seit den 1990er Jahren eigene Pläne - zuerst Umnutzung als Spielbank, später sollte ein Einkaufszentrum daraus werden. Allein: Der Verkauf kam nie zustande.

Dem Verein trauten die Besitzer die Rettung nicht zu, wie ein Vertreter der Erbengemeinschaft im Dezember 2011 im Gespräch mit der Volksstimme deutlich machte. Die Vereinsmitstreiter um Adrian Chrupalla und Andy Fischer halten dennoch an ihrem Ziel fest. Mit regelmäßigen Veranstaltungen, etwa Ausstellungen und Sommerfesten, bemüht sich der Verein seit 2011, die Erinnerung an die einstigen Glanzzeiten des Ballhauses wachzuhalten. Und immer wieder nahmen die Vertreter auch Anlauf, um mit der Erbengemeinschaft einen Kontakt aufzubauen.

Vor wenigen Tagen traf überraschend Post ein, die Hoffnung macht. Erben-Vertreterin Roswitha Jordan erteilte im Auftrag ihres Mannes dem Verein die Genehmigung, das Gelände auf eigene Gefahr zu betreten. Es berühre sie persönlich, "mit welcher Vehemenz" sich der Verein "für die Belange des Kristallpalastes" einsetze, schrieb Roswitha Jordan. "Wir waren überglücklich, als am 3. Juni die Mail kam.


Es ist eine wichtige Anerkennung unserer Arbeit", sagen Adrian Chrupalla und Andy Fischer. Außerdem sei dem Verein angetragen worden, künftig als Ansprechpartner vor Ort gegenüber Interessierten zu fungieren. "Für uns geht damit die Tür zum Kristallpalast einen Spalt auf", werten die beiden. Ziel sei es nun, ein Wertgutachten erstellen zu lassen, denn bisher gebe es nur einen Schätzwert von 300.000 Euro nach Bodenrichtwertkarte. Ein Gutachter habe erste Unterstützung signalisiert. "Wir können aber noch fachliche Hilfe gebrauchen", sagen Fischer und Chrupalla.

Unterdessen hat die Ratsfraktion der Linken/Tierschutz ebenfalls einen Vorstoß unternommen. Die Stadt solle darstellen, in welcher Form der engagierte Verein Kristallpalast von ihr unterstützt werden könne, heißt es in einem aktuellen Antrag.

   

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