Quedlinburg l Die Serie von Anschlägen auf Banken und Geldautomaten im Harz reißt nicht ab: In der Nacht zum Mittwoch haben Unbekannte den Geldautomaten der Star-Tankstelle an der Gernröder Chaussee in Quedlinburg aufgesprengt. Nach Angaben eines Polizeisprechers entkamen die Täter mit Bargeld in bislang unbekannter Höhe. Die Polizei hofft bei den Ermittlungen auf Zeugenhinweise. Ob die Täter mit dem erbeuteten Geld Freude haben werden, ist fraglich. Nach Angaben von Polizeisprecher Peter Pogunke, wurde bei der Detonation eine Farbbombe ausgelöst. "Deshalb könnte das Geld ganz oder teilweise blaugefärbt sein."

Wie Pogunke weiter sagte, ging in der Nacht um 1.13 Uhr beim zuständigen Sicherheitsdienst eine Alarmierung ein, ausgelöst von besagtem Geldautomatenj. Bei der Überprüfung vor Ort sei festgestellt worden, dass unbekannte Täter den Automaten gesprengt hatten. Hierbei wurde er nicht nur selbst zerstört, sondern auch Teile der Tankstelle. Glücklicherweise gerieten bei der heftigen Detonation keine Zapfsäulen in Brand, so dass es nicht zum Ausbruch eines Feuers kam.

"Die Täter gelangten an die Wertbehältnisse des Geldautomaten und flüchteten mit Bargeld in bislang nicht bekannter Höhe", sagte Polizeisprecher Pogunke. Hinweise auf die flüchtigen Unbekannten gebe es derzeit noch nicht.

Damit setzt sich die Serie von Anschlägen fort. In der vergangenen Woche waren Unbekannte mit einem Radlader in eine Bankfiliale in Königerode (Stadt Harzgerode) eingedrungen und hatten den Tresor erbeutet. Von ihnen fehlt bislang jede Spur. Einen analogen Fall hatte es im November in einem Baumarkt in Gernrode gegeben.

Zudem hatten in den vergangenen Monaten immer wieder Unbekannte im Harzkreis Geldautomaten mit Gas aufgesprengt, um an das Bargeld zu gelangen. Zuletzt am 28. Mai in der Hauptpost in Quedlinburg. Auch dort dürfte die Freude der Täter aufgrund einer ausgelösten roten Farbbombe allerdings getrübt sein.

Die Polizei beobachtet seit Jahren einen Trend weg vom klassischen Banküberfall hin zu derartigen Automaten-Diebstählen, -Aufbrüchen oder -Spengungen. Der Grund liegt auf der Hand: Immer mehr Banken verfügen gar nicht mehr über Bargeld, sondern wickeln die Geldausgabe an ihre Kunden ausschließlich über Automaten ab.

Weil diese Geräte mehr und mehr in den Fokus der Verbrecher rücken, rüsten die Betreiber nach. Mehr und mehr Geräte werden mit Farbbomben bestückt, um das Geld zu kennzeichnen oder gänzlich wertlos zu machen. Der neueste Trend sollen Gassensoren sei, um bereits das Einpumpen von Gas ins Gerät zu registrieren.

Auch an der Star-Tankstelle in Quedlinburg hatte es schon einmal einen Anschlag gegeben. Im August vorigen Jahres hatten Unbekannte versucht, den Automaten zu spengen. Das Vorhaben misslang, weil zwar das Gerät zerstört wurde, der eigentliche Tresor aber der Druckwelle standhielt.

Später konnte die Polizei drei Männer und eine Frau aus Thale als Täter ermitteln. Richter des Landgerichts Magdeburg verurteilten die 25 und 27 Jahre alten Männer wegen Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion in Tateinheit mit versuchtem Diebstahl zu Freiheitsstrafen von zwei Jahren und sechs Monaten. Der mitangeklagte 36-Jährige wurde zu einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung verurteilt. Eine ebenfalls angeklagte 25-Jährige wurde freigesprochen. Die 25 und 27 Jahre alten Männer sind gegen die Urteile in Revision gegangen.

Im Zusammenhang mit dem aktuellen Anschlag sucht die Polizei Zeugen, die in der Tatnacht gegen 1 Uhr verdächtige Beobachtungen von Personen oder Fahrzeugen an der Star-Tankstelle in Quedlinburg, Gernröder Chaussee, gemacht haben.

Hinweise an das Polizeirevier, Telefon: (0 39 41) 67 41 93.