Magdeburg l Die städtische Gesellschaft betreibt bereits sechs Pflegeheime in der Stadt, die alle bis 2005 generalsaniert wurden. Die kommunale Gesellschaft gehört damit zu den größten Anbietern von Seniorenpflege in der Landeshauptstadt und war in der Vergangenheit aber auch wegen Turbulenzen aufgefallen. Nach einem Pflegeskandal wurde das ehemalige Heim in der Rathenaustraße geschlossen und verkauft.

2011 trennte sich die Gesellschaft von der Seniorenwohnanlage "Leipziger Straße". Zwischendurch war sogar wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten ein Verkauf der gesamten Gesellschaft nicht ausgeschlossen worden. Zuletzt gab es lange Verhandlungen um den Abschluss eines Tarifvertrags.

All diese Probleme und Fragen sind inzwischen gelöst oder in Bearbeitung, so dass die Gesellschaft jetzt offenbar auch investieren kann. "Wir haben die Trendwende geschafft und die Gesellschaft wieder fit und sicher gemacht. Einen großen Anteil daran hatte auch die Belegschaft durch langen Gehaltsverzicht", sagt Geschäftsführer Norbert Lendrich.

Er hofft nach einem positiven Beschluss des Aufsichtsrates im Mai nun auch auf Zustimmung des Stadtrates für den Bau von zwei Heimen für insgesamt 15 Millionen Euro. Anlass für den Bau sind zum einen Schwierigkeiten bei der Sanierung des ehemaligen Pflegeheims Heideweg. Der Plattenbau ist mit Asbest belastet und kann nicht mehr wirtschaftlich umgebaut werden. Zum anderen habe ein externes Gutachten zum Ergebnis, dass der Standort Magdeburg derzeit durch eine überdurchschnittlich hohe Quote an Single-Haushalten und Senioren gekennzeichnet sei. Dies führe zwangsläufig zu einer hohen Nachfrage nach Pflegeplätzen.

Diese Marktchance will nun die Wohnen und Pflegen gGmbH ergreifen. "Wenn wir nicht bauen, dann bauen andere. Wir haben aber so die Chance, unsere Qualität der Pflege dorthin mitzunehmen, wo gebaut wird. Ich bin felsenfest überzeugt, dass der Schritt richtig ist und die Bewohner, unsere Mitarbeiter und die Stadt davon profitieren", sagte Geschäftsführer Norbert Lendrich, der schon jetzt über eine volle Auslastung seiner Heime und sogar Wartelisten berichten kann.

Die beiden neuen Heime sollen jeweils eine Kapazität von rund 80 bis 100 Personen aufweisen und als Pflegezentren vom Seniorenwohnen bis zur Schwerstpflege viele Formen der Seniorenbetreuung bieten. Als Standorte wurden Reform und Salbke vorgesehen. Konkrete Grundstücke nannte Lendrich nicht.

Die Finanzierung erfolgt mit rund 1,3 Millionen Euro Eigenmitteln und 7,3 Millionen Euro Kredit je Heim. Läuft alles glatt, könnte schon 2016 Eröffnung sein. Rund 200 Arbeitsplätze würden entstehen.

Die beiden Bauvorhaben gehen nun zur Diskussion in die Ausschüsse. Die Entscheidung soll der neue Stadtrat auf seiner ersten Sitzung am 10. Juli treffen.

Damit steht der neue Rat gleich vor der Entscheidung über eine Millioneninvestition. Wird sie genehmigt, geht es nach Volksstimme-Informationen am Heideweg weiter. Dort soll der leere Pflegeheim-Plattenbau abgerissen und durch eine Seniorenwohnanlage ersetzt werden. Geplant ist dieses Vorhaben als Gemeinschaftsprojekt zwischen Wobau und Wohnen und Pflegen gGmbH.

Es wäre das nächste ehrgeizige Projekt der Gesellschaft.