Reinhard Höppner: Engagiert bis zuletzt

Reinhard Höppner wurde 1948 in Haldensleben (Landkreis Börde) als Sohn eines Pfarrers geboren. Der studierte Mathematiker und dreifache Vater engagierte sich in der evangelischen Kirche, gehörte von 1972 bis 1994 der Kirchenleitung der Kirchenprovinz Sachsen an.

1989 trat Höppner in die SPD ein, wurde 1990 Vize-Präsident der neugewählten Volkskammer. Dort leitete er schwierige Sitzungen mit viel Geschick, darunter die vom August 1990, in der die Volkskammer den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland beschloss.

Als SPD-Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt wurde Höppner 1994 dank Tolerierung durch die heutige Linke Ministerpräsident und blieb es bis 2002. Nach dem Ausscheiden aus der Politik konzentrierte er sich neben zahlreichen weiteren Ehrenämtern auf das Engagement in der Kirche, u.a. im Deutschen Evangelischen Kirchentag und für die Ökumene.

Magdeburg l Der überraschende Tod Reinhard Höppners am Pfingstmontag hatte deutschlandweit Trauer und Bestürzung ausgelöst. Am Sonnabend war sein Sarg im lichtdurchfluteten Magdeburger Dom inmitten bunter Blumen, die er so geliebt hatte, aufgebahrt. "Das ist ein Abschieds- und kein Trauergottesdienst", rief Nikolaus Schneider, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, den 700 versammelten Gästen in seiner Predigt zu.

Höppner habe ein weises Herz gehabt, sei nie abgeklärt und leidenschaftslos gewesen. "Sein Herz brannte für menschenfreundliche und lebensdienliche Politik", sagte Schneider. Kirchentags-Weggefährtin Elisabeth Raiser sagte, das Machtvakuum nach Ende der DDR hätten nur Personen wie er gestalten können. "Höppner bahnte Wege und ermutigte Menschen", sagte sie. Reinhard Höppner, der zur Entspannung gerne Pfeife rauchte, war über Landes- und Parteigrenzen hinweg geachtet für sein ausgleichendes Wesen und seinen Mut, der nie Machtgehabe oder Überheblichkeit wich. Höppner hatte keine Furcht vor unkonventionellen Lösungen, wie er mit seinem "Magdeburger Modell" bewies. Sein Gottvertrauen habe ihn auch durch die lange Krankheitszeit getragen, sagte Elisabeth Raiser.

In dem sehr persönlich gestalteten Gottesdienst dankte Reinhard Höppners Ehefrau Renate für die vielen gemeinsamen Jahre, die drei Kinder und zwei Enkelkinder. Sie hob seine Liebe zur Mathematik und seine Sensibilität für Sprache ebenso hervor wie Höppners legendäre Marmelade. "Gern hätte er noch das Reformationsfest 2017 mitgefeiert", sagte sie unter Tränen und dankte den Ärzten, die ihm noch acht Jahre geschenkt hätten. Welch bleibenden Eindruck Höppner gemacht hat, davon legten die zahlreich erschienenen Weggefährten aus Politik und Kirche Zeugnis ab: Unter den Gästen waren Außenminister Frank-Walter Steinmeier, Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig, Brandenburgs Ex-Ministerpräsident Manfred Stolpe, Ex-Bundesminister Wolfgang Tiefensee (alle SPD) sowie der letzte frei gewählte Ministerpräsident der DDR, Lothar de Maiziere (CDU), außerdem Landesbischöfin Ilse Junkermann, die Altbischöfe Axel Noack und Christoph Demke sowie der frühere Magdeburger katholische Bischof Leo Nowak.

Wie nahe der Tod Höppners den Menschen in Sachsen-Anhalt geht, zeigen die Kondolenzbücher, die noch bis zum Donnerstag in der Staatskanzlei und in der SPD-Landezentrale ausliegen. Seit Mittwoch tragen alle öffentlichen Gebäude des Landes Trauerbeflaggung.

Wie ein SPD-Sprecher bestätigte, soll es am 3. Juli im Magdeburger Kloster Unser Lieben Frauen eine weitere, von der Landesregierung organisierte Trauerfeier für Reinhard Höppner geben.

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