Magdeburg (dpa/ad) l In Sachsen-Anhalt werden Flüchtlinge trotz eines enormen Anstiegs der Asylbewerberzahlen zunehmend in Wohnungen statt in Heimen untergebracht. Ende 2011 hätten 49,2 Prozent in sogenannten Gemeinschaftsunterkünften gelebt, Ende 2013 aber nur noch 45,8 Prozent, sagte Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) am Freitag im Landtag. Gleichzeitig sei die Zahl der Asylbewerber aber von 1413 im Jahr 2011 auf 3405 im vergangenen Jahr gestiegen.

CDU will keine Abschaffung von Sammelunterkünften

Die Entwicklung sei ein gutes Zeichen, sagte Stahlknecht. "Natürlich sind wir noch nicht am Ende des Weges." Die Zahlen zeigten aber, dass die vom Innenministerium erstellten Leitlinien für die zuständigen Kommunen griffen. Es fänden auch Kontrollen statt. Die Leitlinien sehen unter anderem vor, dass Familien mit Kindern nicht über längere Zeiträume gegen ihren Willen in Gemeinschaftsunterkünfte kommen.

Sören Herbst von den Grünen sagte, viele Sammelunterkünfte seien nahezu ausgelastet. Zudem lägen sie oft auf dem Land. Die Unterbringung in Wohnungen könne eine Isolierung vermeiden. Jens Kolze (CDU) erklärte, eine generelle Abschaffung der Heime werde es mit der CDU nicht geben. Dies sei auch bundesrechtlich nicht erlaubt. Mehrfach hatten Missstände wie Ungeziefer für Aufsehen gesorgt.

Mutter übergießt sich mit Chlorreiniger

Während im Landtag diskutiert wurde, kam es in Magdeburg bei der geplanten Abschiebung eines armenischen Mannes zu einem dramatischen Zwischenfall. Die Mutter des Armeniers übergoss sich laut Polizei mit dem Reiniger Chlorex, als ihr Sohn von der Polizei zum Flughafen nach Berlin gebracht werden sollte. Außerdem sollen Familienangehörige die Einsatzkräfte laut Polizei getreten und mit einem Messer bedroht haben.

Mutter und Sohn wurden zur Beobachtung ins Krankenhaus gebracht. Der Sohn soll einen Schock erlitten haben. Unklar ist, ob die Frau das Chlorex auch geschluckt hat. Angehörige berichten, dass die Frau innere Verletzungen habe. Die Polizei kann das nicht bestätigen. Nach der Verzweiflungstat wurde die Abschiebung abgebrochen. Nach Informationen der Volksstimme soll der Mann 2009 nach Deutschland eingereist sein. Damals gab er an, aus dem Irak zu kommen.

Das Innenministerium betont in einer Mitteilung, es habe von der Abschiebung nichts gewusst. Allerdings kam der Termin laut Magdeburger Ausländerbehörde von der zentralen Abschiebestelle des Landes Sachsen-Anhalt in Halberstadt.

Während über den Fall des armenischen Mannes, der laut Angehörigen der jesidischen Minderheit angehört, diskutiert wird, soll es in Sachsen-Anhalt am Freitag nach unbestätigten Informationen noch eine weitere Abschiebung gegeben haben. In der Landeshauptstadt leben derzeit 569 "geduldete" Personen, 18 davon sollen demnächst abgeschoben werden.