Magdeburg l Im Verfahren des Amtsgerichtes Aschersleben geht es um Flucht und Beihilfe zur Flucht. Silvio T. hatte vor fast genau zwei Jahren ausgerechnet einen Besuch beim Kindergeburtstag seines kleinen Sohnes in Aschersleben zur Flucht genutzt. Der von zwei Justizbeamten begleitete Schwerverbrecher konnte auf die Hilfe seiner Ex-Frau Nadine B. vertrauen. Die zeigte sich gestern reumütig und geständig.

Ihr Ex, von dem sie sechs Monate vor der Flucht geschieden worden war, ist wegen zweifacher Vergewaltigung und Körperverletzung mit Todesfolge bis 2024 zu Haft und Sicherheitsverwahrung verurteilt. Er durfte seine Familie aus Therapie-Gründen besuchen.

Laut Aussage von Nadine B. habe er ihr ein, zwei Monate vor dem Besuch seine Fluchtabsicht mitgeteilt. "Ich sollte einem Bekannten 2500 Euro geben für ein Fluchtauto. Und am Tag seines Besuches den Wohnungsschlüssel von außen stecken lassen", erzählte sie. Sie habe geholfen, weil sie dachte, ihr Ex-Mann sei dann in Sicherheit. Angst vor Strafverfolgung mit Blick auf ihre Fürsorgepflicht gegenüber dem Sohn habe sie nicht gehabt. Auch habe ihre Scheidung sechs Monate zuvor nicht mit seinen Straftaten in Zusammenhang gestanden. "Ich habe einen anderen Mann kennengelernt. Deshalb die Scheidung." Der hat beim Kindergeburtstag auch mitgefeiert.

Silvio T. durfte sich auf der Party in der Wohnung in der 4. Etage eines Plattenbaus ohne Handfesseln aufhalten. Mehrere Kinder und Freundinnen der Mutter waren zu Gast. Nadine B. erinnert sich: "Die Kinder haben dann unten Fußball gespielt, und wir haben in der Küche gegessen. Die beiden Aufpasser saßen im Wohnzimmer bei Kaffee und Kuchen." Einer der Beamten war zuvor beim Bäcker unten Kuchen kaufen gegangen.

Dem widersprach der Vollzugsbeamte: "Ich war am Auto, um mein Diensthandy zu holen und habe dann gleich mein Essen mitgebracht. Einkaufen war ich nicht." Die meiste Zeit hätten die Erwachsenen auf dem Balkon gestanden und waren dort gut einsehbar.

Dann sei alles ganz schnell gegangen, so beide Beamte übereinstimmend. "Er stand im Flur, guckte kurz, stürzte zur Tür hinaus und schloss von außen ab." Erst fünf Minuten später öffneten Kinder die Wohnungstür wieder von außen. Da war der Schwerverbrecher, unterstützt von seinem Bekannten Steffen K., schon mit dem Fluchtwagen unterwegs in Richtung Berlin.

Zehn Tage später wurde Silvio T. in Berlin verhaftet. Freigang erhielt er seither nicht mehr. Den beiden Fluchthelfern drohen nun bis zu drei Jahre Haft. Mit einem Urteil ist noch im Sommer zu rechnen.