Magdeburg l Laut surrend hebt das von acht kleinen Propellern betriebene Fluggerät vom Boden des Hohen Chores ab. Während Martin Stobbe mit dem Kopf im Nacken die 20.000 Euro teure Spezialdrohne per Sichtkontakt fliegt, steuert Norman Hallermann die Kamera an Bord, um hochauflösende Aufnahmen vom Bauwerk zu machen.

Der Bauingenieur von der Bauhaus-Universität in Weimar betreut das Projekt, bei dem mittels fliegender Kamera schwer zugängliche Bauwerke ohne aufwendige Kletterei oder teure Baugerüste auf Schäden kontrolliert werden können. Martin Stobbe stellt mit seiner Firma "Ascending Technologies" die nötige Technik dafür zur Verfügung.

Drohne ersetzt Gerüste

Uwe Kalisch vom Institut für Diagnostik und Konservierung an Denkmalen hat die beiden in den Magdeburger Dom gelotst. "Wir befassen uns mit wissenschaftlichen Neuheiten, die nützlich für die Denkmalpflege sind", erklärt er. Als Projektpartner hat er Stiftungen und Planungsbüros im Land angesprochen, um das Interesse an Flugtagen abzuklopfen. Neben Magdeburg hat noch eine weitere Stadt einen Flug "gebucht". Zuvor waren Hallermann und Stobbe mit ihrem fliegenden Auge bereits im Halberstädter Dom unterwegs und haben mit Hilfe der Aufnahmen ein 3-D-Modell einer Skulptur erstellt.

Auch für den heiligen Mauritius im Hohen Chor ist das geplant. Am Boden verfolgen unter anderem Domrestaurator Thomas Groll, die Architekten Lilli und Carsten Sußmann sowie Ralf Lindemann von der Stiftung Dome und Klöster Sachsen-Anhalt gebannt die "Befliegung", wie Stobbe es nennt. Vor fünf Jahren habe man den Chor noch komplett einrüsten müssen, um Schäden an der Decke begutachten zu können. "Er war monatelang blockiert", erinnert sich Lilli Sußmann.

Kleinste Risse in 100 Meter Höhe sichtbar

"Können Sie den Lettner einmal von oben fotografieren", fragt Groll. "Kein Problem", kommt die Antwort zurück. Wenige Momente später sieht er den Zugang zum Hohen Chor aus der Vogelperspektive. "Das ist Wahnsinn", ist er hörbar begeistert. Ralf Lindemann ist auch angetan. "Wir werden es sicher für die Zukunft in Erwägung ziehen, dass man so etwas öfters macht", sagt er.

In den nächsten Jahren ist zum Beispiel geplant, den Ostchor von innen und außen zu sanieren, da käme das Fluggerät gerade recht. Nach dem Innenflug gehen die beiden Drohnenpiloten noch auf Außenmission. Dort gebe es zwar ein GPS-Signal, aber auch mitunter starke Winde, die das Steuern erschweren, erklärt Stobbe. Bis zur Spitze der Domtürme steigt die Kamera und nimmt sie in bester Qualität auf. Selbst kleinste Risse kann sie in 100 Meter Höhe erkennen.

   

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