Magdeburg l Es war im September 2012 , als Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) in die Offensive ging. Er rief die Sachsen-Anhalter eindringlich auf, sich ausreichend gegen Elementarschäden zu versichern und kündigte an: "Das Land wird im Schadenfall künftig nicht mehr ohne Weiteres helfen." Der Staat sei nicht dafür da, Eigenverantwortung abzunehmen. Finanzielle Unterstützung gebe es "nur noch in begründeten Einzelfällen".

Gleichwohl ist in Deutschland der Versicherungsschutz gegen Naturkatastrophen noch lückenhaft. Derzeit ist nur ein Drittel der Hausbesitzer gegen Elementarschäden versichert. In Baden-Württemberg, wo es einst eine Pflichtversicherung gab, und in Ostdeutschland, wo die DDR-Versicherungspolicen einen Schutz gegen Naturkatastrophen enthalten hatten, liegen die Zahlen höher.

Die Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt hält eine Elementarschadenversicherung für "wichtiger denn je". Der Versicherungsschutz gegen zunehmende Naturgewalten müsse verbessert werden. Die Verbraucherschützer verweisen darauf, dass beim Juni-Hochwasser 2013 rund 85 Prozent der Schäden außerhalb der besonders gefährdeten Risikozone 4 (statistisch mindestens ein Hochwasser in zehn Jahren) entstanden seien.

Eine Sprecherin der Öffentlichen Versicherungen Sachsen-Anhalt (ÖSA) betonte am Montag: " Jeder, der sich versichern will, kann das auch. Wir gehen davon aus, dass 99 Prozent aller Wohngebäude in Sachsen-Anhalt mit einer Elementarschadenversicherung geschützt werden können." Jedem könne ein Angebot gemacht werden. "Selbst bei hohem Selbstbehalt kann man sich damit vor existenziellem Verlust schützen." Laut ÖSA betrafen bei der Juni-Flut im vorigen Jahr 80 Prozent der Schäden Häuser, die bis dahin als relativ gering gefährdet gegolten hatten.

Zur Frage einer Pflichtversicherung wollte sich die Sprecherin nicht festlegen, "weil bisher noch keiner einen überzeugenden Vorschlag dafür vorgelegt hat". Allerdings: "Es darf nicht jeglicher Anreiz verlorengehen, als Bürger selbst gegen Risiken vorzusorgen und als Staat die Hochwasserschutzmaßnahmen zu intensivieren." Und es müsse berücksichtigt werden, dass Menschen in unterschiedlich gefährdeten Gebieten leben. So müsse diskutiert werden, ob Menschen, die ihr Haus dicht am Wasser gebaut hätten, einen risikoadäquaten Aufschlag zahlen sollten.

Nach Angaben von Justizministerin Kolb liegen die Kosten für eine Elementarpflichtversicherung für ein Einfamilienhaus im Wert von 330000 Euro zwischen 100 und 1600 Euro pro Jahr.