Magdeburg l Nun ist es offiziell. Der Stadtverband der Magdeburger Taxifahrer hat im Ordnungsamt der Landeshauptstadt einen Antrag auf Erhöhung der Tarife um 30 Prozent ab 1. Januar 2015 gestellt. So will der Verband umsetzen, was seit längerer Zeit intern diskutiert wird. Die Taxifahrer reagieren damit auf den kommenden Mindestlohn von 8,50 Euro.

Haben sich Verband und Stadt auf einen Tarif geeinigt, ist dieser bindend. In Magdeburg betrifft das mehr als 140 Unternehmer. Momentan liegt der Antrag bei der Genehmigungsbehörde im Fachdienst Straßenverkehrsangelegenheiten. "Nach diesem Antrag würden die Taxentarife um durchschnittlich 30 Prozent steigen", heißt es aus dem Amt auf Nachfrage der Volksstimme. Dass dieser Antrag gestellt wird, wurde bei der zurückliegenden Tagung des Stadtverbandes beschlossen. Allerdings tagte der Verband geheim, Ergebnisse wurden nicht veröffentlicht (Volksstimme berichtete).

Grund ist ein tiefer Riss, der derzeit durch das Magdeburger Taxigewerbe geht. Denn während Unternehmer mit mehreren Fahrern die Tariferhöhungen befürworten, weil sie sonst ihren Angestellten keinen Mindestlohn zahlen könnten, lehnen Unternehmer ohne Angestellte die Erhöhung ab. Sie fürchten, dass die höheren Preise die Kunden abschrecken. Derzeit kostet eine Fahrt in Magdeburg 2,80 Euro Grundtarif. Hinzu kommen 2,60 Euro für den ersten Kilometer und 1,60 Euro für jeden weiteren Kilometer. Mit der Tarifanpassung würde der Grundtarif bei ungefähr 3,60 Euro liegen, 3,60 für den ersten Kilometer und 2,10 Euro für jeden weiteren.

Nun wird der Antrag vom Ordnungsamt geprüft. Anschließend sollen alle Taxiunternehmer der Stadt vom Amt befragt werden. "Nach Auswertung dieser Befragung sollte ein Tarif gefunden werden, der den Interessen der Taxiunternehmer und denen der Allgemeinheit genügt", heißt es aus der Behörde weiter.

Branchen-Insider gehen davon aus, dass es bundesweit zu einem Taxisterben kommen könnte. Denn schon jetzt ist es an manchen Wochentagen für viele Fahrer schwierig, überhaupt Kunden zu finden. Es gibt oft Stunden mit kaum Umsatz. Gleichzeitig machen neue technische Entwicklungen wie die Mitfahr-App Uber, in der sich Chauffeur und Mitfahrer über Stadtgrenzen hinweg im Internet suchen und finden, zu schaffen.

Viele Unternehmer macht das alles fassungslos. Im Gegensatz zu den freien Chauffeuren bekommen Taxifahrer bei der Beantragung von Lizenzen auch einen Berg von Pflichten aufgebrummt. Denn sie gelten wie Bus und Bahn, die allerdings massiv bezuschusst werden, als Teil des Öffentlichen Personenverkehrs.

Bisher müssen die Fahrer ihre Fahrzeuge fünf Tage die Woche und acht Stunden am Tag bereithalten. "Gibt es da keine Anpassung, ist das nicht mehr finanzierbar", heißt es etwa von der Taxigenossenschaft Magdeburg.

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